Zu meinem baldigen runden Geburtstag habe ich ein ganz besonderes Geschenk gekriegt: Eine Freundin hat mir einen Artikel verfasst, in dem sie die gemeinsamen Ferien beschreibt, die wir mit unseren Kindern im Frühjahr auf einem Campingplatz in Südfrankreich verbracht haben.  Ihre Beschreibung hat mich sehr berührt, zum Schmunzeln gebracht und mir einen Einblick gegeben, wie ich auf aussen wirke – ich habe mich in Ihrer Beschreibung wiedergefunden

Chaotisch, zielgerichtet und strukturiert – Camping aus der Sicht einer Freundin

von | Aug 5, 2018 | Erziehung, Familienleben

Chaotisch, zielgerichtet und strukturiert. Das war die Antwort, als ich meine Freundin fragte wie sie Jeanne und ihre Familie beschreiben würde. Eine Woche haben wir zusammen verbracht auf dem Zeltplatz in Südfrankreich.

Eine Freundin, Jeanne mit ihren vier Kids und ich mit meinen drei Kindern. Noch gut erinnere ich mich an diesen Sonntag, nach dem Gottesdienst beim Kaffee trinken.

chaotisch

Jeanne sitzt mit ihrem Mann am Tisch, zwei Kinder sind am spielen, die zwei Kleinen kleben an ihnen und saugen an ihrem Trinkhalm ein Rivella (ein Schweizer Nationalgetränk). Bisher habe ich noch nicht viel mit ihr geredet, aber heute will ich das ändern. Ich setze mich zu ihr und beginne das Gespräch.

Und, was habt ihr vor in den Ferien?

Jeanne antwortet;

„wir sind heute zum letzten Mal hier für 3 Wochen. Ich fahre mit den Kids nach Frankreich zum zelten.“

„Was? So lange? Und du alleine mit den allen vier Kids?“

Das Erstaunen steht mir wohl ins Gesicht geschrieben.

„Ja, ich habe das schon öfters gemacht, bisher zwar nie ganz alleine, aber das wird schon gehen. Ich lasse es offen und nehme eines nach dem Anderen. Mein Mann hat in dieser Zeit immer viel Arbeit in seinem Geschäft. So ist es für ihn und uns einfacher wenn wir wegfahren. Er nimmt sich sonst täglich Zeit für die Kids, so bleibt die Büroarbeit oft liegen. Wenn wir weg sind, kann er alles mal nacharbeiten. Und, kommt ihr mit?“

Völlig überfordert von dieser Frage gebe ich sie einfach an meine Freundin weiter.

„Und gehen wir mit?“

„ Klar!“

Ich hatte tausend Gedanken und wusste nicht recht wie ernst wohl unsere Kommunikation gerade ist. So winkte ich erst mal ab. Mein Mann hat keine Ferien mehr, ein Zelt hab ich nicht und „Je ne parle pas français“!

Aber für Jeanne scheint das kein Grund zu sein. Sie ist so spontan und locker, es scheint als gäbe es das Wort „unmöglich“ gar nicht in ihrem Vokabular. Meine Gedanken rotieren, ich sehe einen Berg mit Dingen die man benötigt, die ich womöglich doch gar nicht habe. Aber Jeanne holt mich da irgendwie immer wieder raus. Ich bewundere ihre lockere und unkomplizierte Art, ihre Abenteuerlust, aber auch ihre Gedanken, die weitergreifend sind als nur „Fun“.

Sie beschreibt es als Familien kittend. Die Kinder lernen im Alltag, sind mit Sprache, Menschen und neuer Umgebung konfrontiert, die sie wachsen lässt in ihrer persönlichen und sozialen Kompetenz. Auch beschreibt sie, das zu Hause sein schreit nach Ablauf, Alltagsplänen und wenn sie gerade sonst nichts haben, kommt das abmachen mit Freunden dazu. Die Familienzeit läuft auseinander und das abmachen findet auch später seine Zeit.

Alles klingt so logisch, die Abenteuerlust kitzelt in mir. Wir verabschieden uns mit den Worten, wir bleiben im Kontakt. Den ganzen Tag hindurch musste ich daran denken, schon zu lange hatte ich mir genau das gewünscht. Mit jemandem, der Camping-Erfahrung hat, mitgehen zu können, um so selber in „Zeltferien“ eingeführt zu werden.

So kam es, dass wir ihnen zwei Wochen später nachfuhren nach Frankreich.
Nach 10 kurzweiligen Autostunden, dank spannenden „Leonie“ Hörspielen, kamen wir über leichte Umwege in der Camargue an.

Herrlich! Blauer Himmel, violetttürkis

schimmerndes Meer, Flamingos und Meeresluft in der Nase! Einfach

wunderschön!

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Jeanne führt uns zu ihrem Zelt. Ein grosses, braunes, Schlauchzelt mit grosser Schlafkabine und alles praktisch eingerichtet. Nicht schlecht staunen wir ab ihrem kreativen begehbaren Kleiderschrank, den sie selber mit Blachen ans Zelt dran gebaut hat. Wie sie das wohl aufgestellt hat ohne ihre starke männliche Hilfe?

„Mein Ältester war eine grosse Hilfe“,

schwärmt sie,

„jedes Kind hilft mit, je nach ihren Fähigkeiten.“

(Man bedenke das ihre Kids zwischen zwei und sieben jährig sind)

Nach unserem Zeltaufbau, einrichten, etc. führen wir unsere Kinder in die „Zeltregeln“ ein.

  • Schuhe bleiben draussen,
  • nichts essen im Schlafabteil,
  • etc.

Meine Freundin und ich sind uns einig, Zeltregeln braucht es. Wir sind schon gespannt welche Regeln wohl bei Jeanne’s Familie gelten? Das braucht es sicher damit alles klappt, so mit vier Kindern, ganz alleine, spekulieren wir.
Schon rennt das erste Kind von Jeanne in unser Zelt. So, dass ist unser Moment, auch diese Kinder in unsere Zeltregeln einzuführen. Ein wenig erstaunt schaut uns der Junge an.

„Ah, ok“, sagt er.

Gespannt schauen ihn meine Freundin und ich an,

„und, was sind eure Regeln?“

„Keine!“ Platzt es aus ihm heraus.

„Was?“

„ Nein, wir haben so was nicht.“

Wir können es kaum glauben. Lachend stapfen wir hinüber zu Jeanne, das wollen wir jetzt genau wissen.

Keine Regeln, es stimmt. Erstaunt schauen wir sie an, sie muss schmunzeln. Ein wenig chaotisch sieht es ja schon aus, in ihrem Zelt, aber wie es sich später herausstellt hat doch alles seinen Platz und im Gegensatz zu mir findet sie immer alles auf Anhieb. Aber zurück zu den Regeln, denn wie ich Jeanne ja schon kennengelernt habe, hat sie sicherlich auch da klare Gedanken und eine Absicht dahinter.

„Ist doch einfach, Regeln brauchen einen Kontrolleur und, bei nicht Einhaltung, Konsequenzen. Ich habe doch auch Ferien“, lacht sie.

„Was will ich jetzt dastehen und alles kontrollieren? Die Kleinen verstehen das eh noch nicht wirklich.“

Scheint doch irgendwie Sinn zu machen, aber für mich als Ordnungs- und Sauberkeitsmensch noch schwierig einzuordnen. Aber, abwarten und beobachten, sagte ich mir. 🙂

Es ist schon spät als ich meine sieben Sachen zusammen kramte um mein erstes Zelt-Nachtessen für zehn Personen auf Jeanne‘s Herdplatten zu zubereiten. Immer wieder stosse ich mit meinen „Null-Zelt-Erfahrungen“ an meine Grenzen. Wo hole ich das Wasser, wie leere ich das heisse Wasser ab, wo finde ich …aber mit Jeanne an der Seite klappt alles prima. Ich staune ab ihrer inneren Ruhe. Während dem sie ein iPad – Konflikt schlichten muss, der Kleinste keine Sekunde von ihrer Seite weicht, während dem sie doch eigentlich an ihrem Laptop sitzt um an ihrer Internetseite etwas zu schreiben, nicht zu vergessen meine sieben Koch-Fragen die sie auch noch beantworten muss. Das nenne ich schon fast Reizüberflutung, aber sie wohl einfach „Multitasking“.

Geschafft! Das erste Nachtessen steht auf dem Tisch. Und es scheint allen zu schmecken. Erschöpft, aber dankbar und voller Freude fallen wir alle ins Zelt.

Nach einer ersten erholsamen, ruhigen, nur leicht frierenden Nacht werden wir von Vogelgezwitscher geweckt. (Was ein echter Vorteil ist im Frühling zu zelten: um 21 Uhr ist es dunkel und um 7:30 wird es hell, alle bekommen genügend Schlaf!)

Ein neuer Tag, neue Abenteuer! Strand, Campingplatz-Feeling mit verschiedenen Pools, Abend-animation, Burg-Besichtigung und viele Stunden einfach sein, spielen, lachen, reden, kochen und einander kennenlernen.

Mein Fazit: Jeanne ist die geborene Abenteurerin. Voller Ideen, Energie und Vision. Die Ruhe in Person.

Hier ein Paar Anekdoten;

  • Während dem Nachtessen, der Kleine „Dreikäsehoch“ sitzt wie ein grosser in seinem Stuhl und isst Spaghetti, kurz darauf ist der gesamte Teller Inhalt auf seiner Hose.
  • Unbeobachtet schleicht einer mit seiner Ovo in die Schlafkabine, und wie meist – es wirkt die Schwerkraft!

Warum erwähne ich diese „Miseren“?

Weil ich die Ruhe von Jeanne so stark finde. Meine tägliche Herausforderung als Mutter und Hausfrau ist, in diesen Situationen keine Pulserhöhung, mit dementsprechenden Äusserungen zu bekommen.. Bei Jeanne scheint die Pulsfrequenz auch in diesen Situationen stabil zu sein. Sie fördert die Selbständigkeit und das Selbstvertrauen ihrer Kinder indem sie sie auch einfach mal was machen lässt und ihnen etwas zutraut. Dabei scheut sie den eventuellen Mehraufwand nicht, wenn etwas schief läuft.

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Während ich jetzt da sitze und schreibe, denke ich auch an ihre Internet Seite „Family that matters“, die sie Wöchentlich mit neuen tiefgründigen, pädagogisch hoch stehenden Berichten füllt. Da einerseits die Zeit zu finden, inmitten den Herausforderungen als Vollzeit-Mami, Ehefrau, Hausfrau, Freundin und Beraterin.

Aber nicht nur das, sie übersetzt diese Berichte auch in drei weitere Sprachen. Die Freude an den Sprachen, das Wissensbegierige, das Interesse an den Menschen und ihrem Wohlergehen. Jeanne strotzt für mich nur so von Energie und Vision. Ich denke an die Stunden, wo sie geschwärmt hat von christlichen Weiterbildungen, die sie gerne besuchen möchte um Menschen in schwierigen Umständen noch besser helfen zu können. Dabei scheut sie keinen Aufwand.

Auch wie kostbar ihr die Ehe ist, sie schwärmt von ihrem Mann, schmunzelt über ihre total unterschiedliche Art, von ihrer Abenteuerlust und seiner typischen Schweizer „Sesshaftigkeit“. Wie sie seine Begabungen hervorheben kann und alles Gute, was er ihr in anfänglichen Schwierigkeiten erwiesen hat, gross macht. 

Liebe Jeanne, ich möchte dir diesen Bericht widmen zu deinem heutigen vierzigsten Geburtstag und dir sage, dass ich dich sehr schätze. Deine Fröhliche und positive Art finde ich sehr bemerkenswert! Gott hat dich mit so vielen wunderbaren Eigenschaften ausgestattet. Ihr seid eine so grossartige Familie mit Vision. Ich wünsche dir dass du weiterhin ergriffen bist von Jesus, dass du weiterhin so leidenschaftlich für ihn lebst und die Vision, die er in dein Herz gepflanzt hat ausleben darfst. Dass du deine Umgebung anstecken kannst mit der Liebe Gottes und all dem Guten was er in dich hineingelegt hat. Dass deine Träume und Visionen Realität werden und du ein Segen für viele bist. 

Ich freue mich schon auf ein weiteres Zelt-Abenteuer mit Euch!

Jeannine

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