Müde vom äusseren Druck, gute Eltern zu sein? Wie der richtige Fokus uns Abhilfe schaffen kann

von | Mai 20, 2018 | Erziehung, Persönliches wachstum

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Sie dem äusseren Druck auf ihre Erziehung widerstehen können?

Diesem Druck, als erfolgreichen Eltern da zu stehen?

Alle Mütter und alle Väter, denen ich je begegnet bin, hatten diesen Wunsch, zu wissen (und nach aussen zu beweisen) das sie fähige Eltern sind.

Viele Eltern stehen unter grossem Druck, indem sie das Wort “erfolgreiche Erziehung” durch ihre gegenwärtige Leistung definieren (oder von aussen definieren lassen).

Druck

Sie hatten sicher schon mal ein ähnliches Gespräch in irgendeinem Bereich der Erziehung:

Mutter A: “Mein Baby hat ab der sechsten Lebenswoche durchgeschlafen.”
Mutter B: “Oh wow, wie hast du denn das geschafft? Mein Kind wird bald zwei und hat noch nie eine Nacht durchgeschlafen?!”

Das Gefühl nach einem solchen Gespräch von Mutter A ist: “Ich bin eine erfolgreiche Mutter!”
Mutter B hingegen mag das Gefühl haben: “Ich schätze, meine elterlichen Fähigkeiten sind begrenzt.” Warum habe ich das nicht geschafft mit meinem Kind? 

Können Sie sich identifizieren?

Sei es ein Baby, das mit ein paar Wochen die Nacht durchschläft, höfliche und sich benehmende Kinder zu haben, Teenager, die sich aus Schwierigkeiten raus halten, ein Kind, das in der Schule erfolgreich ist, wie schnell ich mein Kind dazu bringe, unabhängig und selbständig zu sein, wie viele Freunde mein Kind hat….

Alle Eltern sehnen sich danach, Ergebnisse zu sehen, die zeigen, dass sie einen tollen Job machen, dass sie in ihrer Erziehung erfolgreich sind.

Eltern zu sein, ist verbunden mit viel Liebe, Kraft, Zeit, Geduld…. und Selbstzweifel.

Ich habe viele fähige Eltern getroffen, die mit einem sehr investierten Herz, und dem Wunsch, das Beste zu geben, in ihre Kinder investieren – und dennoch mit dem Gefühl des Selbstzweifels kämpfen, weil ihr Kind ihre Erwartungen (oder die Erwartungen anderer), dieses” brave Kind” zu sein, nicht erfüllt.

 Natürlich kenne auch ich das Gefühl des Selbstzweifels.

Meine Mutterschaft begann mit einem Baby, das gegen jeden Traum eines “einfachen vorzeige-Baby” verstiess. Kein Durchschlafen der Nacht – und sein Kinderwagen sah bei seinem ersten Geburtstag noch wie neu aus. Ich konnte definitiv nicht mit einem sogenannten “Erfolg” angeben!

Oder, während unseren letzten Ferien, die ich mit meinen Kindern in Südfrankreich verbrachte: 

Wir machten einen Ausflug nach Saintes-Maries de la Mer. Dort unternahmen wir eine spontane Schiffsrundfahrt. Es war ein kleines Schiff für etwa 50 Personen. Wir machten diese 90-minütige Schifffahrt, die eine kleine Strecke übers offene Meer, dann eine kurze Strecke die kleine Rhone hinauf und zurück führt. Das Boot war voll und obwohl ich es sehr genossen, die verschiedenen “wilden” Tiere und die Natur zu sehen, fühlte ich mich ziemlich unter Druck.
Ich fühlte mich beobachtet. Ich war allein mit meinen vier Kindern und die Leute beobachteten mich.
Mein Mädchen war so aufgeregt, auf diesem Schiff zu sein, dass es eine Herausforderung für sie war, still zu sitzen. Gegen Ende des Trips hielt sie sich an einer Stange fest und drehte sich um diese Stange. Ich sagte ihr, sie solle aufhören. Sie tat es nicht sofort – und prompt kam einer der Matrosen, um mir freundlich auf Französisch zu sagen, dass Kinder nicht auf dem Boot “herumrennen” sollten.
Ich war beschämt und sagte meinem Mädchen: “Siehst du, dieser Mann ist gekommen, um zu schimpfen, weil du dich um diese Stange gedreht hast.”

Ich fühlte mich in meiner Fähigkeit als Mutter herausgefordert; ich erfüllte meine eigenen Erwartungen nicht. Und dies, obwohl alle vier meiner Kinder, von unserem Zweijährigen bis zum Ältesten, bis auf diesen kleinen Zwischenfall, es wirklich prima gemacht hatten.

Mein Mädchen schämte sich so sehr, dass sie sich ganz nah zu mir setzte und sich nicht mehr von meiner Seite bewegte. Sie tat mir so leid, denn diese Reise wird für sie immer einen bitteren Nachgeschmack haben. Es war gar nicht nötig, so zu übertreiben, was dieser Mann gerade gesagt hatte. Immerhin hatte sie sich auf dieser Fahrt hervorragend benommen. Und ich kenne sie, ich wusste, dass sie so glücklich und aufgeregt sein kann, dass es für sie schwer ist, zuzuhören und ruhig zu sitzen.

Aber dieses Bedürfnis, von all diesen Menschen als “fähige, erfolgreiche Mutter” gesehen zu werden, brachte mich dazu, so zu reagieren, ohne die Konsequenzen zu bedenken, die sich aus der Art und Weise ergeben, wie ich in diesem Moment erziehe.

Ich glaube, es gibt viele Situationen, in denen wir uns diesem Druck beugen, um als erfolgreiche Eltern gesehen zu werden.

  • Wie ist es mit diesem Baby, das sich weigert, in seinem eigenen Bettchen zu schlafen?
  • Was ist mit diesem Kleinkind, das einen Temperamentsausbruch im Supermarkt hat?
  • Was ist in der Situation, in der unser Vierjähriger sich weigerte, sein Schwimmhilfe im Pool anzuziehen?
  • Oder was, wenn Sie mit der Realität konfrontiert sind, dass Ihr Kind nicht bereit ist, in den Kindergarten zu gehen oder ein Schuljahr wiederholen sollte?

Handeln wir in diesen Situationen aus dem Bedürfnis heraus, zu beweisen, dass wir als Eltern einen tollen Job machen – oder haben wir ein Ziel vor Augen?

Ein Ziel vor Augen haben:

Wenn ich sage, ein Ziel vor Augen zu haben, spreche ich darüber, dass wir wissen, was wir mit unserer Erziehung erreichen wollen.

Wie ein Pilot, der in ein Flugzeug steigt, und immer weiss, wohin er geht.

Der Flug selbst verläuft nicht immer reibungslos und ruhig, es gibt Zeiten, in denen das Flugzeug von seiner Route abweicht (wie ich in dem obigen Beispiel aus meinem derzeitigen Gefühl der Verlegenheit heraus)…. aber der Pilot behält immer den Zielort im Auge.

Ein Ziel vor Augen zu haben, hilft uns, das grössere zu sehen. Sei es mit einem Baby, das nicht durch durchschläft, einem Kleinkind, das sich im Laden, vor allen Leuten schreiend auf den Boden wirft, oder mit einem Kind, das in der Schule Schwierigkeiten hat…. Wir können uns entspannen und unsere Aufmerksamkeit auf dieses Ende richten, anstatt uns unter dem Druck dessen zu beugen, was andere über meine Erziehung, über mich oder meine Kinder denken. Und wir können aufhören, uns mit anderen Eltern zu vergleichen. 

Ist diese andere Mutter, die wir kennen, wirklich gut organisiert, eine gute Hausfrau, gut darin, ihre Arbeit und ihr Muttersein miteinander zu vereinbaren?  Geht das, mit abends die Kinder ins Bett zu  tun, spielend für diese andere Mutter?  Hat sie immer die Zeit, sich schön zu machen, und wirkt sie immer frisch und entspannt?

Wissen Sie was?

Wen interessiert’s?

Indem Sie sich auf das konzentrieren, was Sie für Ihre Kinder wollen, mit diesem Ziel vor Augen, indem Sie Ihre Definition von “erfolgreicher Elternschaft”  selbst definieren – werden Gefühle von Schuld, Druck und Minderwertigkeit verschwinden und Platz schaffen für Ihr eigenes, kreatives Denken, Ihre eigene Persönlichkeit und Ihren eigenen Weg, um in Ihrer individuellen Lebenssituation dorthin zu gelangen.

 

In unserer Familie haben wir unsere Definition von erfolgreicher Erziehung, unser Ziel, klar vor Augen:

Wir wollen Eltern sein, die jedes unserer Kinder wirklich kennen lernen. Wir wollen ihre Stärke und ihre Schwächen kennen, wissen, wer sie sind. Indem wir verstehen, wer sie sind, wollen wir jedem Kind die Freiheit, den Raum, die Zeit, die Liebe, die Anerkennung, die Akzeptanz und die Weisheit geben, um zu Erwachsenen zu reifen und heranzuwachsen, die wissen, wer sie sind, die mit ihren Stärken – und Herausforderungen – umgehen können, die sich der Gegenwart Gottes in ihrem Leben – seiner Liebe und seiner Weisheit – voll bewusst sind.  Kinder, die wissen, dass Seine Pläne und Seine Wahrheit für ihr Leben ihnen die Fülle des Lebens geben werden, die sie nur in Ihm haben können. Kinder, die eine echte Sehnsucht im Herzen haben, ihr ganzes Leben lang mit diesem Gott zu leben.

Kinder, die sich in Erwachsene verwandeln, die in dieser Welt in ihrer einzigartigen, individuellen Persönlichkeit leuchten. Erwachsene, die glücklich sind, zu sein, wer sie sind, reif und frei, Entscheidungen zu treffen, fähig, wirklich zu lieben und fähig, geliebt zu werden.

Wenn ich dieses Ziel vor Augen habe, ist es mir egal, in welchem Alter ein Kind die Nacht durchschläft. Es wird mir egal, ob diese andere Mutter viel besser organisiert ist als ich.  Ich werde keine Schuldgefühle als Mutter haben, wenn mein Kleinkind sich schreiend auf den Boden wirft…. selbst wenn es mitten im Supermarkt ist, oder während ich darauf warte, unsere Pizzen abzuholen oder sogar wenn es in der Kirche ist.

Wenn mein Kind nicht viele Freunde hat, zweifle ich nicht an meiner Erziehung – mein Fokus ist, zu verstehen, ob mein Kind einfach jemand ist, der es liebt, Zeit allein zu verbringen, oder ob es ein Problem damit hat, weil es sich nach Freunden sehnt, sich aber minderwertig oder nicht liebenswert fühlt.

 

Plötzlich verwandelt sich dieser Selbstzweifel in ein Ziel, mein Kind besser kennenzulernen, Wege zu finden, um es zu erreichen. Es wird mir wichtig, etwas über die Entwicklung des Kindes zu erfahren, zu wissen, was ein Kind braucht, um die Person zu werden, die es werden soll. Druck hat viel weniger Macht über Unsere Erziehung, je mehr wir uns dieses Ziel vor Augen halten.

Ich erlebte, dass eine solche Erziehung viel erfüllender ist, mit einer gewissen Leichtigkeit und Humor, voll von Kraft und Ruhe.

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