Warum wir ein Familienbett haben und wie das für uns funktioniert Teil 1

von | Aug 20, 2018 | Erziehung, Familienleben | 0 Kommentare

Dieser Artikel ist keineswegs ein Versuch, Sie in einen “Familienbett Liebhaber” zu verwandeln. Ich habe viele Freunde, die wissen, wie wir das machen, und mir sagen: “Aus diesem oder jenem Grund wäre ich nie in der Lage, es so zu machen, wie du es tust!” Und wissen Sie was? Das ist völlig in Ordnung.
Was ich durch diesen Artikel erreichen will, ist, eine andere Realität aufzuzeigen, die funktionieren kann, Gründe, warum wir uns dafür entscheiden, es so zu tun, wie wir es tun, den Erfolg, den  dadurch erleben.

Daher geht es in diesem Artikel darum, was wir getan haben, warum wir es getan haben und wie es für uns funktioniert hat.

Im nächsten Artikel werde ich auf die verbreiteten Sorgen und Bedenken rund um das Thema Familienbett eingehen, einschliesslich einiger Informationen und Richtlinien, die wir in unserer eigenen Familie angewendet haben.

Mein Blick auf das ganze Thema ist tief geprägt von den Jahren, die ich in Südamerika lebte. Zwischen 2000 und 2008 lebte ich dort insgesamt etwa drei Jahre, hauptsächlich in Bolivien, aber auch in Chile, Peru, Paraguay und Brasilien. Es eröffnete sich mir eine ganz neue Welt.

In der Schweiz und vielen anderen europäischen Ländern ist das Thema Schlaf eine ernste Angelegenheit.

Siestazeiten für Babys und Kleinkinder sind festgelegt und nachts ist die Schlafenszeit zwischen 18 und 20 Uhr. Viele Babys sind sehr leichte Schläfer und deshalb, wenn das Baby oder Kleinkind schläft (meist in einer Wiege oder Kinderbett im eigenen Zimmer), ist das Zimmer dunkel und die ganze Familie geht auf Zehenspitzen herum.

Es ist ein No-Go, in einen Raum zu gehen, in dem jemand schläft (egal ob Erwachsener oder Kind) und Lärm zu machen, zu reden oder sogar das Licht einzuschalten.

Lieber Leser, liebe Leserin, wenn das lhre Realität ist, mache ich mich nicht über Sie lustig.

Ich möchte nur die Realität der westlichen Welt darstellen, um zu erklären, wie unterschiedlich ich sie in Südamerika erlebte und wie ich sie dort wahrnahm.

Dort war das ganze Thema “Schlaf” meist keine grosse Angelegenheit.
Am Anfang war es eine ziemliche Herausforderung, ihren Umgang mit dieser Thematik zu erleben.
Sie schlafen in Ihrem Bett in einem Zimmer, das Sie mit anderen teilen? Kein Problem, bis diese sich entscheiden, auch ins Bett zu gehen. Meine Latino-Freunde kamen herein, machten das Licht an, plauderten und lachten – sie nahmen kein bisschen Rücksicht auf mich, auch wenn sie sahen, dass ich am schlafen war! Ich war innerlich jeweils so verärgert, dass ich lange nicht mehr einschlafen konnte.

Im Laufe der Zeit gewöhnte ich mich daran, aber es forderte mich immer noch heraus.
Eine Erfahrung, die mir geholfen hat, meine Einstellung bezüglich dieses Themas zu ändern, war, als ich in Bolivien mit zwei Latino Freunden eine Familie besuchte, die im Amazonas Gebiet im Norden Boliviens wohnte. Sie luden uns für etwa eine Woche zu sich nach Hause ein. Ihr zu Hause bestand aus einer gedeckten Veranda, wo sich auch ihre Küche befand – und einem Raum mit einem grossen Bett. Dieses einzige Bett wurde für uns freigemacht und die Familie (zwei kleine Töchter und ihre Eltern) schliefen auf dem Boden der überdachten Veranda, mit nur einem grossen Karton als Unterlage.

Ich war so berührt von ihrer Verhaltensweise, ihrem Herzen für uns, dass ich mich selbst dann, als ihre beiden Töchter in “unser Zimmer” kamen, als wir noch schliefen und den Fernseher einschalteten – kein bisschen ärgern konnte, denn hey – das war ihr einziges Zimmer, ihr einziges Bett – und sie gaben es uns!
Je mehr ich dieses ganze Thema beobachtete, desto mehr wurde mir klar, dass diese ganz Thematik rund um den Schlaf viel entspannter ist. Da gibt es nichts “Heiliges” am Schlaf. Es ist etwas Wichtiges und Lebensnotwendiges, aber das “Wann, Wie und Wo” ist nicht ihre erste Sorge. Und in vielen Situationen wäre der Umgang mit diesem Thema hier in unserer westlichen Kultur für sie einfach unmöglich – aus räumlichen Gründen, der Lebensweise, sogar der Art und Weise, wie Häuser gebaut werden und der kulturellen Unterschiede.
Ich war beeindruckt zu sehen, dass selbst bei Kleinkindern und Babys dieses ganze Thema keine grosse Sache ist.
Ein müdes Baby oder Kleinkind in einem Bus, Zug, in einer Besprechung oder zu Hause? Nun. Sie nehmen das Kind auf den Schoss, legen es auf eine Decke auf den Boden oder in eine Hängematte – und los geht’s ins Land der Träume.
Ich liebte das. Von aussen sah es so einfach aus. Ich beschloss, dass ich an dem Tag, an dem ich Kinder haben würde, genau das Gleiche tun wollte.

Heute begeistert es mich, zu sehen, dass es auch für uns als mitteleuropäische Familie funktioniert hat. Wir haben vier Kinder, die überall schlafen.
Jahrelang hatten wir nur ein Zimmer, in dem wir alle schliefen. (Bis zu diesem Frühling, als unsere beiden ältesten dann den Wunsch äusserten, zusammen in einem eigenen Zimmer zu schlafen). Alle meine Babys schliefen während ihrer ersten zwei Lebensjahre eng an meiner Seite.

Was ich an unserer Art, das zu tun, liebe, ist, dass sie keinerlei Schwierigkeiten haben, ausserhalb der gewöhnten Umgebung zu schlafen.
Sei es im Auto, im Zelt, im Flugzeug, bei einer Konferenz, auf Papas Schoss während er ein Brettspiel spielt, im Baby-Badetopf, in der Hängematte, auf ihrem Hochstuhl, auf dem Boden, am Strand oder am Pool, bei einem Spaziergang im Schnee, auf Besuch, mitten in einer Geburtstagsfeier mit vielen Menschen, im Zug, auf der Rutsche oder während unseres Kanutrips – überall.

Eine Freundin aus Bolivien, die mich zu Hause besuchte, war erstaunt zu sehen, wie ich ihre kulturelle Vorgehensweise auf meine Kultur und meine Familie übertragen habe und dass es genauso funktioniert.

Wie ich schon sagte, das Thema Schlaf ist sehr kulturell und persönlich.

Es ist aber interessant, zu wissen, dass die Art und Weise, wie wir es in vielen Ländern der westlichen Welt tun, erst im Industriezeitalter einsetzte. Dies durch die tief greifende Veränderung in Lebensrhythmus und Arbeitsstil, wie Largo es in seinem Buch “Babyjahre, s.163 beschreibt.
Diese Industriearisierung setzte erst Mitte des 18. Jahrhunderts ein und breitete sich schrittweise von England auf andere Länder Europas und Nordamerikas aus, später auch Asien und Afrika. Dies bedeutet, dass diese besondere Art des Umgangs mit der Materie nur etwa 160 Jahre alt ist, ein sehr kurzer Zeitraum im Vergleich zur Geschichte der Menschheit.

In meinen Nachforschungen zu diesem Thema (ausgelöst durch Freunde aus meiner Kultur, die mir sagten, es sei gefährlich und schädlich für unsere Kinder und unsere Ehe, ein Familienbett zu haben), wurde mir klar, dass es eine grosse Welle von Angstmacherei gibt.

  • Die Angst, dass das Risiko von SIDS (Plötzlicher Kindstod) noch höher ist, wenn man ein Familienbett hat
  • Die Angst, das Baby zu töten, indem man darauf liegt oder es mit Kissen oder Decken erstickt.
  • Die Angst, dass Babys egoistisch werden, wenn die Eltern zu ” babyzentriert ” handeln.
  • Die Angst, dass Intimität in der Ehe fast unmöglich ist (und somit die Ehe in Brüche gehen wird)
  • Und – die mangelnde Bereitschaft, zu akzeptieren, dass sich das komfortable “kinderlose Leben” der Eltern durch Kinder drastisch verändern wird – umso mehr, wenn sie im selben Zimmer oder sogar im selben Bett schlafen..
    Ich freue mich, Ihnen sagen zu können, dass es keinen Grund gibt, sich diesen Ängsten zu unterwerfen.

    Das ist mir durch ausgedehnte Studien des Themas und die Anwendung dieser Lebensweise in den letzten 8 Jahren mit unseren 4 Kindern klar geworden!

    Wenn Sie einige Richtlinien anwenden, wie man es für das Baby ein sicheres Erlebnis machen kann –und indem Sie eine persönliche Initiative ergreifen, damit es funktioniert, gibt es keinen wirklichen Grund, warum Sie Ihr Zimmer nicht mit Ihren Kindern, Ihr Bett mit Ihren Babys teilen sollten.

 

Im nächsten Artikel werden wir uns die oben genannten Barrieren ansehen, die viele Menschen daran hindern, diese Art der Nachtruhe auszuprobieren, mit der Hoffnung, dass diejenigen von Euch, die es gerne tun würden, aber Angst haben, es zu tun, den Mut haben, es mit Ihren Kindern zu versuchen!

Ich werde sogar verraten, wie wir das Problem der Intimität in der Ehe gelöst haben – schliesslich braucht das eine kreative Lösung, wenn man das Zimmer mit seinen vier Kindern teilt!

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