Wenn Emotionen mein Kind überrennen – und wie ich als Mutter dem Kind dabei helfen kann, zu lernen mit diesen Emotionen umzugehen.

von | Apr 24, 2017 | Erziehung, Familienleben | 0 Kommentare

Wenn unser süßer, drei-Jährige Junge etwas nicht bekommt, dass er gerne haben möchte, kann er eine ganze Weile untröstlich vor sich hin weinen, überrent von seinen Emotionen.

Emotionen

Als wir am Ostern Montag gemütlich beim Morgenessen beisammen saßen, goss ich ihm Milch in seinen Becher. Etwas, was er selber tun wollte. Doch da er mir das erst sagte, als ich damit schon fertig war, wies ich ihn an, seinen schon gefüllten Becher zu trinken. Seine Reaktion? Er legte den Kopf auf den Tisch und fing an zu weinen.
Das bedeutete das Ende eines ruhigen, entspannenden Frühstücks … Es sei denn, uns falle etwas ein!
In diesem Moment erinnerte ich mich an einen Abschnitt aus einem Buch, das ich über Erziehung gelesen habe (Erziehen mit Liebe und Vision von Danny Silk). Dort ging es darum, den Kinder zu lernen, auf eine gute Weise Selbstkontrolle über ihre Gefühle zu lernen.
Ich wusste, das mein sensibler Junge Alt genug war, etwas darüber zu lernen, wie er seiner Traurigkeit über die von Mami eingeschenkter Milch entgegentreten kann.
Daher begann ich ihm zu erklären, dass ich nicht ein weinender Junge an unserem Frühstückstisch sitzen haben möchte. Er dürfe in das Wohnzimmer (das unmittelbar neben der Küche liegt) gehen oder hier bleiben aber aufhören zu weinen. Er wollte aber nicht ohne uns in Wohnzimmer und konnte nicht aufhören zu weinen. Ich nahm ihn auf den Arm, trug ihn rüber ins Wohnzimmer. Dort sagte ich ihm, ich wolle ihm etwas zeigen.

Auf ein Blatt zeichnete ich ein lachendes Gesicht.

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Auf ein anderes ein weinendes Gesicht.

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Dann nahm ich ihn – und die beiden Blätter mit den Gesichtern in den Flur, an dem die beiden Türen zur Küche und Wohnzimmer sind.
Das Blatt mit dem lachenden Gesicht hängte ich an die Küchentüre. Das Blatt mit dem weinenden Gesicht an die Wohnzimmertüre.
Dann fragte ich ihn: Willst du weinend zum traurigen Gesicht gehen … Oder glücklich zum lachenden?
Interessanterweise überlegte er 30Sekunden, bevor er zögerlich auf das Wohnzimmer deutete: “Zum weinenden Gesicht”? Aber sobald ich (mit ihm auf dem Arm) einen Schritt in diese Richtung ging, rief er: „Nein, nein, in die Küche, zum lachenden Gesicht!“
Ich fragte ihn: „das heißt kein weinen mehr?“ Er nickte lächelnd mit dem Kopf.
Nun konnten wir alle zusammen fertig Morgenessen, die Stimmung war wieder ausgeglichen und friedlich.
Als unser ältester sein Frühstück beendet hatte, ging er ins Wohnzimmer, gefolgt von seiner Schwester. Nach ein paar Minuten kamen die beiden wieder mit je einem Blatt Papier … mit Gesichter drauf!
Wir mussten alle so lachen – diese Gesichter waren super!

Das eine Gesicht war ein Ich-weiss-nicht-was-mit-mir-Anfangen-Gesicht. Unser Große klebte es an die Terrassentüre. Falls unser drei Jähriger mal so in einer Stimmung sein sollte, so hilft am besten nach draußen zugehen.

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Unsere Tochter hat ein wütendes Gesicht gezeichnet. Sie klebte es dann an die Schlafzimmertüre. Ihr Begründung? „So kann er auf dem Bett umher hopsen, falls er mal wütend ist.“

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An diesem Tag war ich so dankbar, hatte ich das Buch gelesen. Denn, obwohl dies schon zwei oder mehr Jahre her war, erinnerte ich mich an diesem Tag, was ich zu so einer ähnlichen Situation gelesen hatte. (Das ist ein Grund ,wieso ich denke, es ist immer kostbar, gute Erziehungs-Bücher zu lesen: vieles vergisst man, aber oft erinnert man sich an spezifische Dinge in den genau richtigen Momenten, wie ich an diesem Tag.)
Wie dem auch sei, an diesem Tag hätte unser friedliches Morgenessen in eine nerven aufreibende Situation verwandelt werden können. Statt dessen konnten wir unserem Sohn etwas über Selbstkontrolle lernen. Das unsere Gefühle nicht unser Leben dominieren müssen. Auch wurde unser Familien Zusammenhalt gestärkt und wir konnten eine Situation kreieren, an die sich jeder gerne erinnern wird.

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