Die Wichtigkeit meine Kinder zu studieren – oder wie ich meine Kinder verletzen kann, ohne dass ich etwas Falsches mache

von | Jun 12, 2017 | Erziehung, Familienleben

Es gab eine Situation in meinem Muttersein, in dem ich so berührt war vom Herz meines Kindes. Gleichzeitig merkte ich auch wieder, wie schnell ich mein Kind verletzen kann, ohne irgend etwas falsch zu machen

verletzen

Als ich heute Morgen aufwachte, fand ich eine Überraschung vor: Mein Mann hatte im ganzen Haus 15 kleine Vasen verteilt, jede mit einer roten Rose drin. Dazu hatte er auf jede Vase ein Herz geklebt, worauf er geschrieben hatte, was er an mir liebt. Diese Geste bedeutete mir uendlich viel! Ich fing an, all die kleinen Vasen zu sammeln und sie auf ein Gestell im Flur zu stellen. Später, als ich alle hatte, wollte ich sie auf den Esstisch hinüber tragen. Mein kleiner süßer Junge wollte mir helfen und ich sagte ihm, er solle vorsichtig sein! Er gab sich Mühe, aber…. die Vase fiel ihm aus der Hand und zerschmetterte auf dem Boden!! Ich sagte nur “oh, jetzt ist sie kaputt…” und fing an aufzuwischen. Innerlich war ich so sehr frustriert, dass ich fast zitterte! Zum Glück hatte ich aber genug Selbstkontrolle und zeigte nicht, wie frustriert ich war. Als er aber dann eine zweite Vase nehmen wollte, sagte ich spontan: „Oh nein, das darfst du nicht! Du hast mir schon eine kaputt gemacht, das genügt!!“ Er fing an unkontrolliert zu weinen, ich konnte sehen, wie ihn meine Worte getroffen hatten!

verletzt

Ich erinnerte mich, wie ich gerade am Tag zuvor mit meinem Mann darüber ausgetauscht hatte, welche Liebessprache wohl jedes unserer Kinder hat (um mehr über das Buch zu erfahren, klicke hier). Auch sprachen wir darüber, wie wir das Gefühl hätten, dass dieses präzise Kind noch nicht wirklich im Bewusstsein angekommen sei, wie genial und einzigartig er sei… Und – dass seine Liebessprache “helfen” sei.
Wir realisierten, dass es ihm sehr viel bedeutet, wenn wir ihm helfen, sei es, ihn zu unterstützen, mit seinem Dreirad zu fahren, etwas zu basteln oder aufs WC zu gehen. Als ich mich in diesem Moment an all das Besprochene erinnerte, verstand ich, dass es für ihn nicht einfach eine “logische Konsequenz” war, wenn ich nun seine Hilfe ablehne. Sondern eigentlich eine Ablehnung von ihm selbst als Person. Also atmete ich tief durch und sagte ihm, dass ich ihm helfen würde, mir zu helfen …und zusammen trugen wir die nächste kleine Vase auf den Esstisch. Dann liess ich ihn die anderen selber hinüber tragen. Er liess keine mehr fallen. Und er glühte förmlich vor Glück und Stolz!

Dies war so ein Moment in meinem Muttersein, in dem ich so berührt war vom Herz meines Kindes. Gleichzeitig merkte ich auch wieder, wie schnell ich mein Kind verletzen kann, ohne irgend etwas falsch zu machen. Auch war ich so dankbar, dass wir gerade am Tag zuvor mit meinem Mann ausgetauscht hatten – und um das wissen, dass es die verschiedenen Liebessprachen gibt, bei denen sich Kinder geliebt fühlen – oder abgelehnt, auch wenn wir sie als Person von ganzem Herzen lieben! An diesem Tag habe ich viel darüber nachgedacht, wie Kinder-Erziehen viel mehr ist, als einfach Methoden anzuwenden, oder einem Erziehungs-Ratgeber zu folgen!

Drei Punkte habe ich aus diesem Moment mitgenommen:

 

 

  1. Keine pauschalen Methoden für meine Kinder. Sie sind alle einzigartig, mit verschiedenen Persönlichkeiten und jedes nimmt sein Umfeld anders wahr. Es gibt keine Methode, kein Buch, kein Experte, der diesen Teil meiner Verantwortung übernehmen kann. Ich bin die Mutter/Vater und niemand kennt mein Kind besser als ich.
  2.  Lass den Tag nicht deine Welt regieren.
    Was ich damit meine ist, dass ich nicht zu gestresst durch den Tag gehen will, so dass ich jederzeit anhalten kann und denken. Anhalten und mein Kind studieren. Anhalten und ein gutes Buch lesen. Anhalten, um mein Herz und meine Gedanken für meine Kinder zu investieren. Nicht nur zu investieren, wenn ich mal eine Qualitätszeit mit dem Kind habe, sondern auch mit Leuten zu reflektieren, die das Kind kennen und lieben. Zusammen zu überlegen, was es brauchen könnte, um gut gedeihen zu können, und sich geliebt zu fühlen.
  3.  Den Weg kennen, wohin ich gehe.
    Meine Richtung zu kennen. Meine Werte und Prinzipien zu kennen.Methoden sind sehr eng. Dort findet man nicht viel Freiheit für die Einzigartigkeit eines Kindes vor. Im Gegensatz dazu geben Werte und Prinzipien einen Rahmen vor, indem ich frei und individuell auf meine Kinder eingehen kann. Diese geben eine Art Grundlage für das Verhalten, dass ich meinem Kind gegenüber haben möchte. Sie geben an, was mir wichtig ist. Sie helfen, zu entscheiden, was ich in meiner Familie sehen möchte. Was ich in meinen Kindern eingepflanzt sehen möchte. Welche Träume ich für mein Familienleben habe.

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