Wie (und wieso) ich meinem Mädchen half, ihre Herausforderung zu bewältigen

von | Okt 9, 2017 | Erziehung, Familienleben

Diese Tage befand ich mich in einer Situation mit meinem Mädchen, die mich an das Thema des letzten Artikels erinnerte.

Mädchen

Wir haben eine sehr soziale kleine Tochter. Sie liebt es, mit anderen Kindern zu spielen. Sie ist immer sehr glücklich, wenn es in der Schule Gruppenaktivitäten gibt.
Nach der Sommerpause kam sie in eine neue Klasse.
Aus dieser Klasse gibt es ein paar Kinder, die fast den gleichen Heimweg wie sie haben. Ein Mädchen, (wir nennen sie hier Anita) wohnt nur ein paar Häuserblöcke entfernt.
Ein nettes, süßes, kleines Mädchen. Aber Anita begann, meine Tochter auf dem Weg nach Hause auszuschließen, in dem sie es bevorzugte, mit einem anderen Kind zu gehen. Sie sagte  meinem Mädchen, sie dürfe nicht mit ihnen zusammen gehen.
Dies ging ein paar Tage so. Meine Tochter kam immer wieder traurig nach Hause, frustriert und überfordert von der Situation.
Ich hatte schon versucht, meinem Mädchen beizubringen, dass sie Anitas verhalten ignorieren solle, dass sie genial und wunderbar sei, egal wer mit ihr zusammen auf den Heimweg gehe oder nicht.
Eines Tages gestand sie mir, dass sie sich in der Schule mit Anita zusammen über andere Kinder lustig machte – in der Hoffnung, dass sie dann zu ihren Freunden gehören und sich wieder mit ihr zusammen auf den Heimweg machen dürfte.
Ich merkte, dass sie anders war als ihr älterer Bruder, der in solchen Situationen weniger mit Emotionen reagierte, sondern auf eine viel intellektuellere Art und Weise. Ihm machen solche Situationen nichts aus. Hatte mal jemand die Idee ihn auszuschließen, so ging er entweder alleine oder mit einem anderen Kollegen, und kam, egal was genau war, immer entspannt nach Hause.
Aber mein Mädchen – die emotionale, süße und soziale Person, die sie ist – hatte wirklich mit der Situation zu kämpfen. Sie fand dann einen Weg, der für ihr Alter von 6 Jahren und ihre emotionale Reife „normal“ ist: Sie versuchte, eine Verbindung mit Anita herzustellen; etwas zu tun, von dem sie eigentlich wusste, das dies gegen alle unsere Familien-Werte geht: Sich Anita anzuschließen, als sie sich über andere Schüler lustig machte.
Das war ihre Art, mit der herausfordernden Situation umzugehen, um den Frust und Schmerz, ausgeschlossen zu werden, zu vermeiden.

Wie ich die Situation so analysiert hatte, entschied ich mich, ihr zu helfen.
Ich hatte dabei verschiedene Optionen:

– Mit Anita sprechen, ihr sagen, dass sie keine Kinder auf dem Weg nach Hause ausschließen soll
– Mit Anita’s Mutter sprechen, in der Hoffnung, dass dies etwas ändert
– Die Situation zu ignorieren und meine Tochter alleine damit zurechtkommen lassen. Sie muss es ja irgendwann lernen.
– mein Mädchen jeden Morgen daran erinnern, dass sie genial und liebenswert sei, egal was die anderen sagen oder tun.
– Meine Tochter täglich von der Schule abholen, um Ihr die Möglichkeit zu bieten, mit uns nach Hause zu gehen, wenn sie das will.

Mädchen

Ihr dürft dreimal Raten, welche Option ich wählte. Die letzte Option. Es war mir klar, dass ein Gespräch mit Anita oder ihrer Mutter nichts ändern würde. Vielleicht würde sie mein Mädchen nicht mehr aktiv ausschließen, aber ich zweifelte daran, dass es das Muster ihres Verhaltens ändern würde.
Die Situation ignorieren? Sicher nicht. Sie würde dabei nur lernen, Lösungen zu finden, um Schmerzen zu vermeiden und diese Lösungen sind Muster, die ich nicht will (wie zum Beispiel, sich über andere Kinder lustig zu machen).
Ich wusste, dass ich mein Mädchen jeden Morgen daran erinnern könnte, dass sie genial und liebenswert ist. Aber hier war mir auch klar, dass sie momentan die emotionale Reife noch nicht hatte, die Situation damit selbst zu lösen.
Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, sie im Moment täglich von der Schule abzuholen. Und es macht eine Menge Spaß, dies zu tun. Natürlich hätte ich in dieser Zeit andere Dinge tun können, aber das war es mir auf jeden Fall wert.
Die Kinder (nicht nur mein Mädchen) lieben es, mir zu erzählen was sie schon alles gemacht haben oder was sie noch tun werden. Manchmal rennen sie alle weit voraus, mein Mädchen inbegriffen. Manchmal, zieht es mein Mädchen vor, meine Hand zu halten und mir zu erzählen, was in der Schule alles vorgefallen ist..
Und was auch immer sie wählt, ich bin glücklich damit. Was zählt, ist, dass sie weiß, dass sie sich nicht an Anita klammern muss, um das ausgeschlossen sein zu vermeiden.
Ich als Mutter weiß, dass die Zeit kommen wird, wenn sie emotional reifer ist. Dann wird sie in der Lage sein, alleine mit solchen Situationen zurecht zu kommen.
Aber im Moment liebe ich es, Anwesend zu sein und sie mit meiner Gegenwart, Liebe und meinem Einfühlungsvermögen zu beschenken.

Ich erzähle Ihnen diese Situation nicht, damit sie genau das gleiche tun wie ich. Sie kennen Ihr Kind, die Reife des Kindes, seine Persönlichkeit – und Ihre Situation.
Ich habe so gehandelt, weil ich mein Kind kenne, seine Reife und seine Persönlichkeit. Meine Situation erlaubte es mir, so vorzugehen, da ich nicht außer Haus arbeite und meine Zeit frei einteilen kann. Ich möchte Ihnen an dem Beispiel aufzeigen, wie ich nach einer passenden Lösung für mein Kind suchte. Ich bin mir sicher, dass sie in Ihren Situationen mit eigenen Lösungen aufkommen werden, passend zu Ihrem Kind und Ihrer Situation.

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