Wieso ich eine Glucken Mutter bin und wieso dies nicht so schlimm ist, wie es tönt

von | Aug 21, 2017 | Erziehung, Familienleben

Das heutige Thema liegt mir sehr nah am Herzen. Es ist ein Thema, das mich, seit ich Mutter bin, schon einige Male in Schwierigkeiten gebracht hat. Es gibt Leute, die denken (und es mir auch sagen), dass ich die Kinder unabhängiger erziehen sollte, ihnen früh beibringen sollte, dass sie sich nicht an mich klammern sollen. Dass es sehr wichtig sei, regelmäßig Zeit alleine in der Ehe zu nehmen und auch Zeit für sich selbst. Dass es wichtig sei, auch „selbst ein Leben zu haben“ und nicht nur für die Familie da zu sein.

Glucke

Grundsätzlich stimme ich dem zu. Es ist von großer Wichtigkeit, die Ehe zu pflegen und sich Zeit zu nehmen zu zweit. Auch wäre es schädlich die Kinder so an sich zu Nabeln, dass sie es nie lernen, selbständig zu denken und eine eigene Person zu werden. Natürlich ist es wichtig, mich selbst nicht gehen zu lassen und auch Dinge zu tun, die mir gut tun.

Es gibt jedoch für fast alles, was wir tun, einen Grund. Gedanken, die wir uns über dieses Thema gemacht haben, und Entscheidungen, die wir demzufolge getroffen haben.

Um zu veranschaulichen, wovon ich spreche, habe ich hier in einigen Punkten aufgelistet, was ich meinen Kindern „zumute“:

Ich lasse meine Kinder ihre Erfahrungen sammeln mit dem Essen.

… Sie dürfen ihren Spaß haben mit Hundefreunden

… Spielen im Wasser (sobald Sie schwimmen können, auch ohne Schwimmhilfe)

… Steile Treppen rauf klettern – auch wenn sie erst 12 Monate alt sind

… Ich lasse sie ihre Abenteuer erleben

… Zeltferien alleine mit mir, wenn Benny arbeiten muss.

… Sobald sie alt genug sind, lasse ich sie die Erfahrung „Achterbahn“ machen. Hier sind die beiden großen 5 und 6 Jahre alt.

… Ich nehme sie mit auf 3000 m, um einen Gletscher von oben zu betrachten.

… Wir vertrauen ihnen echte Werkzeuge an (nachdem wir ihnen erklärt haben, wie dieses funktioniert)

Wie Sie sehen bin ich nicht diese Art von Glucke.
Aber es gibt eine andere Art der Haltung die wir haben, die von vielen Leuten hier im Westen als „Gluckenmutter“ betitelt wird (und dies ist nicht wirklich als Kompliment gemeint)

Wir schlafen alle im selben Zimmer, in zwei breiten Betten, die nebeneinander aufgestellt sind (nicht immer ganz so nah, aber solche Situationen sind häufig und jeder liebt sie). Und ja..wir haben auch noch unser separates Ehebett..;)

Als wir mit der Tatsache konfrontiert waren, dass unser Mädchen nicht in den Kindergarten wollte, verzögerten wir ihn um ein Jahr. Wir hatten auch das Gefühl, dass sie Zeit benötigt, um eine emotionale Reife zu erlangen, und stabiler in ihrem Wesen zu werden.

Die Zeiten als Familie sind uns sehr wichtig. Sei es Ferien, Ausflüge oder sonst einfach gemeinsame Qualitäts-Zeiten.

Wir erlauben unseren Kindern nicht, mit anderen Kindern der Nachbarschaft abzumachen, wenn sie dann gemein gegen ihre eigenen Geschwister sind.

Auch ist Langeweile kein Grund, bei anderen Kindern der Nachbarschaft klingeln zu gehen. (Langweilen ist die perfekte Gelegenheit, kreativ zu sein).

Unsere Kinder gehen nicht in die Spielgruppe, und wir schicken sie auf eine nahe gelegene Privatschule. Dies, obwohl unsere öffentliche Schule nicht schlecht ist und diese Entscheidung einen Finanziellen und Zeitlichen Mehraufwand bedeutet.

Wir haben unsere Babys nie weggegeben, um dafür an „wichtige“ Veranstaltungen zu gehen. Wenn wir sie nicht mitnehmen durften (wie wir es hier an einem Geschäfts essen tun konnten), so ging nur einer von uns.

Dies, bis sie ein Jahr alt waren – oder bis wir das Gefühl hatten, dass sie bereit und willig sind, auch von einer aussen stehenden Person gehütet zu werden.Dies gilt auch für den Ausgang als Ehepaar.

Als mein Kleinster mit 3 Monaten eine schlimme Blasenentzündung hatte, blieb ich die ganze Woche mit ihm im Krankenhaus. Benny nahm auf der Arbeit Ferien, bis Hilfe verfügbar war, um auf die 3 anderen Kinder zu schauen.

Wir investieren auch während unseren Ruhezeiten in unsere Kinder. Sie dürfen immer kommen, auch wenn wir müde sind.

Seit Beginn unserer Familienplanung war für uns klar:

Ohne Beziehung gibt es keine wirklich erfolgreiche Erziehung.

Was dies wirklich bedeutet, haben wir durchs Tun gelernt.
Ein Buch, das mir zu diesem Thema sehr geholfen hat, heisst: „Unsere Kinder brauchen uns!: Die entscheidende Bedeutung der Kind-Eltern-Bindung“ und ist von Gordon Neufeld und Gabor Mate geschrieben. Dieses Buch hat mein Verständnis bereichert und mir Klarheit gegeben, wieso dies wirklich wichtig ist und welche Bedeutung Bindung in einem Kinderleben hat.

Wir haben verstanden, dass das Geheimnis der Erziehung nicht darin liegt, was wir als Eltern für das Kind tun, sondern wer wir für das Kind sind.

Es geht um die Fähigkeit, ein Teil im Leben des Kindes zu sein, egal wie alt es ist.
Wenn ein Kind unsere Nähe sucht, den Kontakt mit uns aufnimmt, so sind wir befähigt, dem Kind ein Tröster, ein Modell, ein Lehrer und ein Trainer zu sein. Jemand, der ins Leben des Kindes hinein sprechen kann und es umsorgt.

Wir sind davon überzeugt, dass nur Kinder, die eine gesunde Bindung zu ihren Eltern haben, in der Lage sind, deren bedingungslose Liebe und Akzeptanz anzunehmen.
Weshalb ist das so? Weil jedes Kind diese Bindung braucht – und gleichzeitig diese Orientierung, welche diese mit sich bringt. Innerhalb von jedem Kind gibt es einen Kompass. Wir als Eltern sollten ihre „Norden“ sein, der Ort an dem sie sich Orientieren, ihre Heimat. Der Ort, an dem wir ihnen eine gesunde Bindung vermitteln und unsere Werte auf eine natürliche Art übertragen können. Die Möglichkeit, das Herz unsere Kinder in jeder Situation zu erreichen, und ein offenes Herz vorzufinden und die Bereitschaft, unserem Beispiel zu folgen

Für ein Kind, das eine gute Bindung zu uns hat, sind wir das „Zuhause“. Der Ort, an den sie sich zurückziehen können. Wo sie echt sein dürfen und ihre tiefsten Wünsche und Ängste offenbaren können. So ein Kind ist offen für unsere Liebe und Fürsorge. Mit einem Kind, das eine solche Bindung mit uns hat, ist eine gegenseitige Beziehung möglich und eine Offenheit vorhanden, von uns zu lernen.
Nur dann wird das Kind zu uns kommen und uns sein Herz offenbaren, inklusive seinen Fehlern und Versagen.
Das ist unser Geheimnis für eine erfolgreiche Familie, wie auch für eine erfolgreiche Erziehung.

Das oben genannte Buch erklärt, dass das menschliche Gehirn auf eine Weise geschaffen ist, in der diese Bindung, dieses Bedürfnis nach Orientierung ein grundlegendes Bedürfnis ist. Situationen, in denen eine Leere an Orientierung herrscht, wo nichts vorliegt, an dem wir uns orientieren können, sind unerträglich für das menschliche Gehirn. Sogar Erwachsene, die sich in einem bestimmten Mass selbst orientieren, fühlen sich ein wenig verloren, wenn die Personen in ihrem Leben, die als Kompass dienen, fehlen.
Wenn wir Erwachsene so fühlen, wie viel mehr unsere Kinder?
Wir als Eltern sind der beste Orientierungspunkt. Wenn die Eltern aus irgend einem Grund nicht anwesend sind, können andere Erwachsenen wie ein Lehrer, diese Funktion ersetzen.

Daher ist es eine logische Folge, dass, wenn sie diese Orientierung, diese Bindung nicht bei uns erhalten, sie sich zu ihren Freunden wenden werden. Diese werden dann den „Norden“ im inneren Kompass des Kindes sein – und wir sind „ersetzt“.

Wir alle wissen, dass noch so gute Freunde nicht in der Lage sind, ihnen das zu geben, was wir berufen sind, ihnen zu geben: Diese Sicherheit, geliebt zu sein, für wer sie sind, und dies auf eine bedingungslose Weise. Gesunde Orientierung. Natürliche Vermittlung unserer Werte. Unsere Lebenserfahrung. Die Bereitschaft, sich aufzuopfern, damit das Kind gedeihen kann. Emotionale, körperliche oder geistige Förderung. Und da gibt es noch mehr dazu: Je mehr Freunde ihr Orientierungspunkt sind, umso verheerender ist es, wenn das Kind von diesen Freunden ausgelacht, geplagt oder schlichtweg abgelehnt wird.

Das ist, zusammengefasst, der Grund, wieso ich sage, dass das, was die westliche Welt im negativen Sinn als “Gluckenmutter” bezeichnet, eigentlich etwas kostbares und lebenswichtiges für unsere Kinder ist.

Und auch hier gilt: das Ziel dieses Artikels ist es nicht, dass dieser Punkt für Punkt und Wort für Wort befolgt wird. Mein Ziel ist es, ihnen eine Grundlage weiterzugeben, die wir als entscheidend für eine gesunde, harmonische Familie erachten. Aber das heißt nicht, dass sie nun auch ihr Bett mit den Kindern teilen müssen oder keine Babysitter anstellen dürfen! Sie haben ihre einzigartige Persönlichkeit, Ihre individuelle Lebenssituation und Ihre individuelle Kapazität. Es gibt keine besseren Eltern, als Sie es sind, für Ihr Kind. Die Herausforderung dieses Artikels ist:

Die Beziehung, die Bindung, die Sie mit ihren Kindern haben, ist wesentlich, damit Sie ihr Herz auf eine natürliche Art und Weise ihrem Kind vermitteln können. Es ist eine grundlegende Notwendigkeit, dass wir ihr „Zuhause“ sein können, dieser Ort von Sicherheit, Orientierung und bedingungsloser Liebe.

Quellen Angabe:
Die Erkenntnisse in diesem Artikel kommen vom Autor (Jeanne von familythatmatters) und von dem Buch unsere Kinder brauchen uns!: Die entscheidende Bindung der Kind-Eltern-Bindung“ von Gordon Neufeld und Gabor Maté, Kapitel 1 und 2. Ich empfehle wärmsten die Lektüre des ganzen Buches!

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