Alltägliche Herausforderungen in der Erziehung – im Licht der Prägungen unserer Vergangenheit

von | Jun 17, 2018 | Erziehung, Persönliches wachstum | 0 Kommentare

Ich habe eine Freundin aus der Kindheit, die heute verheiratet und Mutter von 3 Kindern ist. Sie ist eine sehr hingebungsvolle Mutter, die ihre Kinder über alles liebt und das Beste für sie will. Trotzdem hört man sie oft ihre Kinder anschreien, für völlig irrelevante Dinge.

Herausforderungen
Wenn wir darüber reden, erinnere ich sie an ihre Eltern. Sie waren schnell überfordert und schrien ihre Kinder jeden Tag an, für kleine Dinge. Ich erkläre ihr, dass es mehr als verständlich ist, dass sie dieses Muster übernommen hat und dass sie diese Reaktion meistens dann an den Tag legt, wenn sie sich überfordert, verunsichert oder gestresst fühlt.
Sie stimmt mir zu. Dieses Verständnis änderte jedoch nichts an ihren Gewissensbissen. Sie schildert mir, wie sie sich bemüht, eine Mutter zu werden, die auch liebevoll mit ihren Kindern sprechen kann, wenn sie nicht das tun, was sie von ihnen erwartet. Dass sie ruhig und souverän bleiben möchte, auch wenn sie sich unsicher oder gestresst fühlt. Sie erinnert sich, wie sehr sie das häufige Schreien ihrer eigenen Eltern hasste.

Haben Sie sich jemals so gefühlt, in irgendeinem Bereich Ihrer Erziehung? Wollten Sie jemals etwas so stark anders machen, weil Sie es als Kind gehasst haben – und waren doch nicht in der Lage, es zu vollbringen?

Wenn das für Sie zutrifft, ich verstehe Sie.

Ich range viel mit dieser Sache, noch bevor ich eine Familie hatte. Ich wusste, dass ich das Muster meiner eigenen Familie nicht wiederholen wollte.
Mein Vater schrie uns auch oft an. Er gab uns oft das Gefühl, dass wir seine Ruhe stören, viel Geld kosten und einfach zu viel sind.
Als junger Erwachsener fühlte ich mich sehr unsicher im Umgang mit Kindern. Ich wusste, dass ich sie nicht anschreien und ihnen auch nichts von den Gefühlen vermitteln wollte, die mir vermittelt wurden.
Wie könnte ich dieser Erwachsene sein, den ich mir als Kind gewünscht hätte? Woher soll ich wissen, wie ich anders reagieren soll?

Ich erinnere mich, wie ich tief berührt war von dem Anblick einer Familie, die friedlich und liebevoll mit ihren Kindern umging. Ich versuchte jeweils, die Art und Weise, wie sie es taten, aufzunehmen und sie tief in mein Herz zu gravieren.

Einer der Gründe, der mich dazu bewogen hat, diese Website zu realisieren, stammt aus dieser Erfahrung.
Ich hätte gerne über praktische Ansätze zur Gestaltung einer gesunden Familie gelesen.

Heute möchte ich Sie zu einer Reise einladen. Es ist die Reise in das Thema, wie ich viele dieser Prägungen losgeworden bin, diese persönlichen Erfahrungen, die mein Leben und mein Verhalten geprägt haben. Wie ich auch heute noch auf dieser Reise verharre, um meinen eigenen Kindern – und den Kindern (und Erwachsenen) um mich herum – etwas ganz anderes zu vermitteln.

Herausforderungen
1.) Ich war begierig darauf, Beispiele zu beobachten, die ich nachahmen konnte.

Die wohl prägendste Möglichkeit, genau das zu tun, war während meines ersten Ausbildungsjahres in der Kindertagesstätte, wo ich im Alter von etwa 26 Jahren meine Ausbildung als Kleinkindererzieherin absolvierte. Die Schulleiterin war eine reizende Frau, jünger als ich.. Sie zeigte mir eine ganz andere Art, mit kleinen Kindern umzugehen, als ich sie kannte:

  • Wenn ein Kind den Kinderwagen nicht halten will, während du auf einer belebten Strasse unterwegs bist – was tust du?“
    Nun, sie hat mir beigebracht, den Kindern eine Wahl zu lassen und ihnen zu sagen:
    “Du kannst entweder auf dieser Seite des Kinderwagens, der anderen Seite (oder sogar dem anderen Kinderwagen) halten – oder mir die Hand geben. Du kannst wählen.“ Keines der Kinder hat sich jemals dagegen gewehrt, sich für eine dieser Optionen zu entscheiden. Das, ohne dass ich schreien musste, ohne dass ich ungeduldig oder verärgert über das Kind wurde.
    .
  • Oder was machen Sie, wenn ein Vierjähriger sich weigert, vom Spielplatz zurück in die Kita zu gehen? Sie können ihn nicht einfach an der Hand den Weg zurück in die Kita zerren – und wegen des strukturierten Tagesablaufs einer Kita auch nicht länger auf dem Spielplatz bleiben!?
    Nun, ich habe gelernt, dem Kind freundlich und entspannt zu begegnen und ihm zu sagen “Lass uns gehen, es wartet ein leckeres Mittagessen auf dich” oder “Du hattest grossen Spass, ich weiss. Wenn du das nächste Mal wieder in die Kita kommst, kommen wir wieder her. Jetzt kommt aber schon bald deine Mutter dich holen. ….. oder so etwas, abhängig der Situation und dem Kind. Wir mussten nie ein Kind an der Hand vom Spielplatz zerren oder anschreien oder beschimpfen, in der Hoffnung, dass es dann endlich das tut, was wir von ihm verlangen.

2.) Ich habe das Thema studiert
Weil ich nur wusste, dass ich es besser machen wollte, aber nicht wusste, wie ich das machen sollte, suchte ich nach Material, welches das widerspiegelte, was ich in meinem Herzen glaubte.
An dieser Stelle möchte ich eines der Bücher erwähnen, die ich mehrmals gelesen habe. Es heisst “Die 7 Wege zur Effektivität für Familien: Prinzipien für starke Familien.”, geschrieben von S.R. Covey. Der Autor erzählt viele Geschichten über seine eigene Familie, seine eigenen Herausforderungen und wie er sie erfolgreich gemeistert hat.

Dann ging ich auch zu mehreren Seminaren über Kindererziehung, schon lange bevor ich eine Familie hatte.

Herausforderungen

3.) Ich war bereit, das Bild, das ich von einem Kind hatte, zu korrigieren.
Wie gesagt, die Art, wie Sie aufwachsen, wie Ihre Eltern Sie behandeln und sehen, hinterlässt einen starken Eindruck auf Ihr Herz.
Es ist die Grundlage jeder Aktion, die Sie durchführen.

  • Glauben Sie, dass Ihr Baby versucht, Sie als Eltern zu manipulieren? Natürlich werden Sie entsprechend reagieren.
  • Glauben Sie, dass Kleinkinder Ihnen bewusst das Leben schwer machen wollen? Natürlich werden Sie entsprechend reagieren.
  • Glauben Sie, dass Ihr aktives, spontanes Kind voller Boshaftigkeit ist? Sie werden entsprechend reagieren.

Die Liste geht weiter.
Deshalb ist es wichtig, dieses Bild zu überarbeiten. Es ist wichtig, eine ehrliche Bilanz der Überzeugungen in Ihrem Herzen zu ziehen, die sich auf ein Kind beziehen.

Das ist nicht immer einfach, da es mit der eigenen Vergangenheit eng verbunden ist. Manchmal schaffen diese vergangenen Erfahrungen, diese Prägungen, ein Muster in unserem Leben, das scheinbar stärker an uns klebt als Sekundenkleber auf Papier.

Die radikalsten und drastischsten Veränderungen erlebte ich immer in der Gegenwart Gottes, in Zeiten, in denen ich mit offenem Herzen vor ihn kam – sei es allein oder zusammen mit anderen.
Ich werde Ihnen von einer dieser Zeiten berichten, nur um Ihnen zu zeigen, wie wunderbar Gott ist. Er ist derselbe gestern, heute und morgen, deshalb ist er nicht an die Zeit gebunden und kann unsere Realität in nur einer Minute über etwas verändern, das weit zurückliegt.

Herausforderungen
An diesem Tag, als ich betete, erinnerte ich mich an eine Situation in meiner Kindheit.
Ich war ungefähr 7 oder 8 Jahre alt. Wir lebten in einem kleinen Dörfchen, umgeben von Natur.

Eines Tages sah ich diese Bäume voller Kirschen. Ich hatte eine geniale Idee: Ich würde welche für meine Eltern pflücken!
Ich nahm einen kleinen Korb, den ich in unserem Haushalt fand und füllte ihn mit köstlichen Kirschen von einem der Bäume in der Umgebung.

In dieser Gebetszeit erinnerte ich mich, wie ich voller Freude und Begeisterung mit diesem Körbchen voller Kirschen zu meinen Eltern ging.

Mein Vater war rasend: “Wo hast du die her?” fragte er mich in einem harten Ton. Ich fühlte mich schuldig, ohne zu wissen, was ich falsch gemacht hatte. Ich zeigte in die Richtung, in der sich dieser bestimmte Baum befand. Mein Vater sagte: “Du bist ein Dieb! Du hast diese Kirschen von einem Baum gestohlen! Jetzt musst du Busse tun und es dem Besitzer des Baumes beichten!” Er nahm mich bei der Hand und zog mich, bestürzt und skandalisiert, zu dem Nachbarn, wo ich den kleinen Korb abgeben und beichten musste, was ich tat.

Ich erinnere mich nicht an die Antwort des Nachbarn. Woran ich mich in diesem Moment des Gebets erinnerte, war, dass ich die Welt nicht mehr verstand. Meine Motivation war, meine Eltern zu segnen. Um ihnen meine Liebe zu zeigen. Nun hatte ich aber den Eindruck, dass ich ein böses Mädchen bin, das sich des Diebstahls schuldig gemacht hat.

Können Sie sehen, wie das Bild, das mein Vater von mir hatte, nichts mit mir und meinem Herzen oder meiner Motivation zu tun hatte, sondern alles mit ihm und dem Bild, das er von einem Kind hatte?

Das Schöne ist, dass sich in diesem Moment des Gebets diese Realität völlig verändert hatte:

Jesus betrat die Szene. Ich “sah” ihn buchstäblich, sah, wie er meinen Vater ersetzte und das Körbchen voller Kirschen in Empfang nahm. Ich sah seine Augen voller Liebe. Er lächelte mich an. Dann sagte er mir mit sanfter, zärtlicher Stimme: “Vielen Dank, Jeanne für dein Herz! Ich liebe diese Kirschen! Und dann fügte er mit Humor und Sanftmut in seiner Stimme hinzu: “Aber eigentlich sollten wir nicht auf Bäumen pflücken, die nicht unsere sind. Aber ich liebe dein Herz! Ich liebe deine Motivation, mich zu segnen!”

Diese Realität hat sich tief in mein Herz eingeprägt und heute ist es so, wie ich reagiere, wenn eines meiner Kinder in einer ähnlichen Situation ist! Mein Gedächtnis hat sich buchstäblich in diese neue Realität gewandelt, und in diesem Bereich bin ich nun in der Lage, liebevoll, sanft und bestärkend zu reagieren. Ich habe jetzt all diese liebevolle Sanftmut, um ihnen den Teil dieser Situation zu erklären, von dem sie lernen müssen.

 

Jedes Mal, wenn ich mich an solche Momente erinnere, bin ich überwältigt und dankbar. Das Schöne ist, dass Sie unabhängig von Ihrer Lebenssituation genau dasselbe erleben können. Wahrscheinlich können Sie nicht in einer Kindertagesstätte arbeiten, um einen anderen Weg zu lernen. Vielleicht sind Sie nicht jemand, der viel liest oder in der Lage ist, ein Seminar über Kindererziehung zu besuchen. Aber egal, wo Sie sind, was Ihre Lebenssituation ist, es gibt diese schöne Gegenwart Gottes, der in diesen Zeiten Gewohnheiten einfach so ändern kann, während die ganze Anstrengung, die er von uns braucht, einfach nur eine Offenheit ist, Veränderung zu erfahren, sich hinzusetzen und Zeit mit ihm zu verbringen.

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