Warum die Verwendung der Rute an Kindern in der Bibel nicht zu finden ist: Alte Wahrheit im neuen Licht ( 3.Teil )

von | Mai 22, 2017 | Erziehung, Glaubens Impulse | 0 Kommentare

Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten.

Sprüche 13:24

Züchtige deinen Sohn, solange Hoffnung da ist, aber lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten.  

Sprüche 19.18

Torheit steckt dem Knaben im Herzen; aber die Rute der Zucht treibt sie ihm aus.

Sprüche 22.15

Lass nicht ab, den Knaben zu züchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute schlägst, so wird er sein Leben behalten; 

du schlägst ihn mit der Rute, aber du errettest ihn vom Tode.

Sprüche 23.1314

Rute

Rute und Tadel gibt Weisheit; aber ein Knabe, sich selbst überlassen, macht seiner Mutter Schande.

Sprüche 29.15

Wenn ich diese Bibelstellen, die in der Bibel im Buch der Sprüche stehen, lese und ich mich in diese gottesfürchtigen Menschen hinein versetze, die Gott gehorchen wollen und andere lehren, was da steht, dann kann ich die Tatsache verstehen, das viele Christliche Erziehungs-Ratgeber sowie viel Biblisch fundiertes Online Material mit der starken Überzeugung, Gott zu gefallen, geschrieben wurden. Es ist mir dann auch klar, wie viele Lehrer im Bereich Kindererziehung mit aufrichtigem Herzen und Überzeugung lehren, die Kinder zu züchtigen und von der Rute Gebrauch zu machen

Es ist hier anzufügen, dass in den deutschsprachigen Ländern (Deutschland, Österreich, und Lichteinstein) die Körperstrafe zu Hause und in den Schulen gesetzlich verboten ist. In der Schweiz existiert kein explizites Verbot. Körperstrafe wird aber in den Schulen höchst selten angewendet und wenn einem Lehrer dann doch mal die Hand ausrutscht, wird dies sehr verpönt. In meiner Kindheit ist dies einmal im Turnen passiert, als einer der Jungs in der sechsten Klasse den Lehrer respektlos behandelte. Der Lehrer hatte kein Gerichtsverfahren am Hals, aber ein Gespräch mit dem Vater des Jungen. In Amerika ist kein gesetzliches Verbot vorhanden. Somit werden die Eltern in vielen Christlichen Erziehungs-Ratgebern explizit aufgefordert, ihre Kinder zu züchtigen. Von diesen Ratgebern sind einige auch in der Schweiz verbreitet.

In den letzten beiden Artikeln haben wir nun weitere Informationen über die Hebräische Sprache erhalten. Mit diesen Informationen werden wir nun diese Verse im Buch der Sprüche näher betrachten.

Beginnen wir mit den Versen, die sich auf das Wort „Knabe“ beziehen.

Im Licht der verschiedenen Etappen im Leben eines Kindes ist es nun sehr interessant, mehr über die verschiedenen Wortursprünge zu erfahren. Das Wort, das als „Knabe“ übersetzt ist, wird im Hebräischen als „Na’ar“ bezeichnet. Im letzten Artikel haben wir gesehen, dass das Wort „na’ar“ in der allgemeinen Terminologie der Hebräischen Sprache ein junger Mann ab Teenager Alter umschreibt, ein Alter, in dem der junge Mann anfängt, ein Gefühl von Unabhängigkeit zu entwickeln.

Rute

Diese Erkenntnis traf mich! Ein junger Mensch ab Teenager Stadium? Was ist mit Kleinkindern? Bei all den Büchern, die ich bezüglich Körperstrafe gelesen habe, ging es nie um Teenager. Alle Autoren waren sich einig, das der Zeitpunkt dafür ab dem Alter von 6-18 Monaten beginnt.

Rute
Rute

Mit ihrem Wissen aus den beiden vorherigen Artikel werden sie vielleicht schon wissen, dass wenn in den 2 anderen Versen „Sohn“ steht, das Hebräische Wort „ben“ gemeint ist. In der Tat, im Hebräischen Text steht „ben“.

Nun könnte man natürlich darüber Argumentieren, dass es doch eine Möglichkeit gibt, dass die Körperstrafe an unseren kleineren Kindern doch Biblisch ist. Denn das Wort „Sohn“ ist ja nicht spezifisch auf ein Alter zuzuschreiben.

Der Autor meint dazu:

 „Wie wir schon gesehen haben, ist das ganze Buch der Sprüche an Junge und erwachsene Männer gerichtet. Es richtet sich an junge Männer bei denen sich das Bewusstsein des Erwachsenseins entwickelt und damit die involvierten Verantwortungen wie Hochzeit und Familie. Besonders in dieser Zeit der Entwicklung ergeben solche Ratschläge, die uns im Buch der Sprüche gegeben sind, Sinn. Wenn wir versuchen würden, solche Informationen und Ideen an kleinen Kinder anzuwenden, würden wir auf eine überforderte Zuhörerschaft stoßen.“

Darüber hinaus, wie wir in den ersten drei Versen sehen konnten, ging es um Junge Männer und erwachsene Männer. Offensichtlich können wir nicht zulassen, dass die beiden Texte, die das Wort „Sohn“ (hebräisch „Ben“) verwenden, mehr Gewicht haben, um die Altersgruppe zu definieren als die anderen drei Verse, die mit dem spezifischen Begriff „junge Erwachsene“ oder „Teenager“ keinen Zweifel offen lassen.

Mit dieser Information können wir nun diese Verse nochmals lesen:

Lass nicht ab, den Knaben junger Mann, „na’ar“ zu züchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute schlägst, so wird er sein Leben behalten; du schlägst ihn mit der Rute, aber du errettest ihn vom Tode.

Sprüche 23.1314

Rute und Tadel gibt Weisheit; aber ein Knaben junger Mann, „na’ar“ , sich selbst überlassen, macht seiner Mutter Schande.

Sprüche 29.15

Torheit steckt dem Knaben junger Mann, „na’ar“  im Herzen; aber die Rute der Zucht treibt sie ihm aus.

Sprüche 22.15

Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn (das heisst, junger Mann) ; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten.

Sprüche 13:24

Rute

Züchtige deinen Sohn (das heisst, junger Mann), solange Hoffnung da ist, aber lass dich nicht hinreißen, ihn zu töten.  

Sprüche 19.18

Da dies nun klar ist, werde ich kurz auf den Vers eingehen, der für den Deutschsprachigen Raum von Bedeutung ist. (der zweite Vers, auf den ich hier nicht spezifisch eingehen werde, hat im Englischen Sprachgebrauch viel Verwirrung und komplexe Theorien hervorgebracht. Im Deutschen haben wir dieses Problem nicht, deshalb werde ich ihn auslassen. Diejenigen, die es Interessiert, können hier auf Englisch nachlesen, was es mit dem zweiten Vers auf sich hat.

Lasst uns nun den Vers genauer anschauen:

Der Autor sagt dazu Anfangs Kapitel 7:

Lass nicht ab, den Knaben zu züchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute schlägst, so wird er sein Leben behalten; du schlägst ihn mit der Rute, aber du errettest ihn vom Tode.

Sprüche 23.1314

„Ich glaube, ich kann mit Sicherheit sagen, dass Eltern alles dafür tun würden, ihrem Kind einen Platz im Himmel zu garantieren, wenn sie nur wüssten, wie.. Sie würden alles tun, um ihre Kinder vom ewigen Verderben zu bewahren.“

 

Der Autor setzt sich im Kapitel 7 damit auseinander, was dieser Vers wirklich bedeutet. Es würde den Rahmen sprengen, ins Detail zu gehen, aber ich werde ihnen die wichtigsten Punkte darlegen:

Das Wort, das hier als „Tode“ – im Englischen als „Hölle“ – übersetzt wird, findet im Hebräischen als „sh’ol“ (sheol) den Ursprung. Wenn Sie dieses Wort in der Bibel studieren, so können Sie erkennen, dass dieses Wort „sh’ol“ nicht allgemein „ewige Verdammnis“ bedeutet.

Es bedeutet auch „höhle“, Graben und Grab wie auch einen Zustand (Wie Jonah, der im Bauch des Fisches war. (Jona 2.1-2))

Das andere Wort, das der Autor hier unter die Lupe nimmt, ist das Wort „Seele“. Im Hebräischen ist dies das Wort „nephesh“. Wir werden aber sehen, dass es bei diesem Wort nicht immer um das Biblische Konzept der „Menschlichen Seele die errettet werden muss“ geht. In der Tat verweist es nicht mal immer auf Menschen, sondern manchmal auch auf Tiere wie (1. Mose 1.20) und weiter vorn das gleiche Wort dann auch auf Menschen (1. Mose 2.7)

Im 3 Mose 24.17 und 24.18 sind beide Wörter „Seele“ (Nephesh) aber im ersten Vers spricht es über die Tötung eines Menschen und im zweiten Vers über die Tötung eines Tieres.

Der Autor kommt zu folgendem Schluss:

„alles zeigt auf eine Aussage des Verses hin, dass eine eigensinnige Person zurück auf den geraden Weg kommt, damit er nicht wegen schlechten Angewohnheiten oder kriminellem Lebenswandel vorzeitig stirbt. Der Vers sagt nicht aus, wann oder wie lange. Es heißt da nur, „ihn vom Tode erretten“. Und dies ist sicherlich ein guter Rat. Es ist auch anzumerken, dass die früheren Juden an körperliche Züchtigung als allerletzten Ausweg für diejenigen glaubten, die eine Kriminelle Laufbahn eingeschlagen hatten. Dies wurde auch so angewendet“

Als ich das 6. Kapitel studierte, in dem der Author darüber schreibt, “was das neue Testament über Körperliche Züchtigung aussagt” und dass im neuen Testament die Körperliche Züchtigung in der Kindererziehung nicht einmal erwähnt wird. Auch wird im neuen Testament nie auf diese oben genannten Bibelstellen verwiesen, noch können wir im neuen Testament irgend etwas vorfinden, dass der Körperlichen Züchtigung bei Kindern nur nahe kommt.

Im neuen Testament finden wir viele Stellen über die Körperliche Züchtigung, aber all diese Stellen sprechen von Erwachsenen Männer. Da habe ich mich gefragt: Wenn der Vers in Sprüche 23:13-14 wirklich aussagen würde, dass wir die Rute für unsere Kinder nutzen sollten, damit wir sie vom Tode/der Hölle erretten: Wäre das nicht von solcher Bedeutung, dass dies von den Autoren im neuen Testament aufgegriffen und unterstrichen würde?

Ich denke schon.

 

Mit diesen sehr interessante Einblicken in das Buch der Sprüche und den dazu gehörigen Versen im Bezug auf die Körperliche Züchtigung werde ich diesen Artikel schließen.

Falls ihnen etwas unklar ist oder sie weitere Fragen haben, aber nicht in der Lage sind, sein Buch „Thy Rod And Thy Staff They Comfort Me – Christians and the smacking Controversy“ auf Englisch zu lesen, dürfen Sie diese gerne unten bei den Kommentaren stellen. Ich werde Ihnen, (im Zweifelsfall nach Rücksprache mit dem Author) die Frage beantworten.

Dies war der dritte und letzte Teil der Zusammenfassung des Buches. Nächste Woche werde ich es aber dem Autor nachmachen: Er hat 5 Anhänge oder „nach-Kapitel“ an sein Buch gehängt und eines davon fand ich sehr interessant, bezüglich meinem persönlichen Leben und dem meiner Kinder. Ich lade Sie ein, mit mir in das Kapitel „Strafe: Funktioniert das? Eine Biblische Untersuchung.“ einzutauchen, und anhand von Beispielen aus der Bibel zu untersuchen, ob Strafen oder Segnen die gewünschte Wirkung im Leben eines Menschen hat.

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