Schreiend zu glücklich in 10 Sekunden – oder – was ein Kind zäh macht

von | Jul 16, 2018 | Erziehung, Persönliches wachstum | 0 Kommentare

Im Wandel der Zeit müssen viele Eltern darüber nachgedacht haben, wie sie verhindern können, dass ihre Kinder zu Heulsusen werden und stattdessen starke, stabile und zähe Menschen werden.
Das mag vor allem für Jungs gelten, aber ich bin sicher, dass Eltern auch mutige Töchter wollen. Töchter, die in einer Welt bestehen können, welche alle möglichen Bedrohungen und Gefahren mit sich bringt.
Es muss eine uralte Frage sein, mit vielen verschiedenen Ansätzen, um Kinder zu Zähigkeit hin zu ziehen.

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Ich selbst bin zum Schluss gekommen, dass der Kern des Problems in den Emotionen liegt und wie wir damit umgehen. Denn Angst, Schmerz und Verlorenheit – die Hauptursachen gegen Zähigkeit – haben alle eine emotionale Basis.

Um “zäh” zu sein, muss man diese Emotionen irgendwie überwinden.

Nun, der offensichtliche Ansatz, Kinder zähe Kinder “hinzukriegen”, haben Sie wahrscheinlich in den Filmen gesehen. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe da so dieses stereotype Bild eines Vaters im Kopf, der in den “glücklichen Tagen” der fünfziger Jahre lebt, seinen Pickup durch die ländliche Landschaft im Südosten der USA fährt, sein Gewehr hinter dem Sitz, seinen Sohn neben ihm. Sie kommen gerade von einer guten alten Jagd im Walde. Die Dame des Hauses war nicht glücklich darüber, aber das ist egal. Schliesslich müssen Männer manchmal das tun, was sie tun müssen. Ausserdem hat der Mann schon lange nicht mehr ein tieferes Gespräch mit seiner Frau gehabt.

Während der Jagd war sein Sohn über einen Ast im Wald gestolpert und hatte sich dabei ziemlich das Knie aufgeschlagen. Dad hatte ihm ganz einfach gesagt, er solle aufhören, eine Heulsuse zu sein und das Jammern zu lassen. Schliesslich weinen echte Männer nicht. Und jetzt sind sie auf dem Weg nach Hause. In diesem Auto herrscht Stille. Man hört nur das Rattern des Motors. Schliesslich müssen Männer nicht reden, um sich zu verstehen.

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Während diese Szene wahrscheinlich tief im Herzen eines Mannes etwas weckt, was eine gute Sache ist, gibt es hier ein tiefgründiges Problem: Mit der Lebenseinstellung dieses Vaters werden Emotionen getötet, anstatt dass sie gepackt und angegangen werden. So gingen ganze Generationen Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts mit Emotionen um. Die so genannte schwarze Pädagogik entstand aus dieser Mentalität. Ich glaube tatsächlich, dass diese Denkweise ihren Teil dazu beigetragen hat, dass diese Generationen für die politischen Strömungen jener Zeit anfällig waren.

Interessanterweise wurde aber, während den Weltkriegen, den “Härtesten unter den Härtesten”, die ihre Emotionen wirklich komplett getötet hatten, plötzlich klar, dass ihre getöteten Emotionen nicht wirklich tot waren, sondern nur schlummerten. Diese Jungs wurden plötzlich zu den ängstlichsten und zaghaftesten, die unfähig zum Kampf waren.

Ich glaube nicht wirklich an die Theorie, dass Gefühle getötet werden müssen. Stattdessen sollten wir in der Lage sein, damit umzugehen. Wir müssen über sie herrschen können.

Um dies zu bewerkstelligen, schauen wir uns doch einmal den folgenden drei-Punkte-Plan an:

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  1. Die Quelle der Emotionen kennenZu wissen, welcher Vorfall die Emotionen ausgelöst hat, welche Sie fühlen, wird Ihnen beim nächsten Punkt enorm helfen:
    1. Emotionen kennen und beim Namen nennen

    Analysieren Sie Ihre Gefühle. Ist es Schmerz? Ist es Angst? Wenn Sie beschreiben können, was genau Sie fühlen, wird es Ihnen so viel einfacher sein, mit diesen Gefühlen umzugehen.

    1. Schritt für Schritt mit jedem Vorfall/jeder Emotion umgehen

    Der getrennte Umgang mit jeder Emotion/jedem Ereignis wird Sie davor bewahren, von allen zusammen überwältigt zu werden.

Es kann ungeheuren Mut erfordern, auf diese Weise mit Emotionen umzugehen – vor allem, wenn der Vorfall und die daraus resultierenden Schmerzen schwerwiegend sind. Deshalb werden viele Menschen es nie wagen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dies hindert sie ihr ganzes Leben lang daran, ihr Potenzial freizusetzen. Man kann es ihnen nicht übelnehmen.

Ich bin so froh, dass wir einen vertrauenswürdigen Gott haben, der uns durch Jesus Christus von all diesen Wunden heilen kann. Er ist der Helfer. Er kann, was kaum ein Psychologe je tun kann. Er kann unser Leben verändern, damit wir in Frieden mit unserer Vergangenheit leben können.

Doch was ist nun mit diesem Titel? Was bringt Kinder innerhalb von 10 Sekunden vom Schreien zum glücklich sein? Nun, ich habe diesen Titel gewählt, weil ich, wenn ich den obigen drei-Punkte-Plan anwende, immer wieder erstaunt bin, wie schnell unsere Kinder aufhören zu weinen, nachdem sie sich weh getan haben. Folgendes tue ich also, und dies mit grossem Erfolg:

1. Die Quelle der Emotionen kennen 

Ich beschreibe ihnen mitfühlend, was gerade passiert ist: “Oh, nein, du hast versucht, auf den Baum zu klettern und dann bist du ausgerutscht und runtergefallen. Dabei hast du dir beim Aufprall am Arm weh getan?”  

  1. Emotionen kennen und beim Namen nennen

Ich versuche, jede Emotion, die das Kind durchmacht beim Namen zu nennen und zu beschreiben: “Das war wahrscheinlich ein ziemlicher Schreck für dich, hm? Du hast sicher nicht erwartet, dass du runterfallen würdest, als du mir zeigen wolltest, wie du auf den Baum klettern kannst. Tut es weh?”  

  1. Schritt für Schritt mit jedem Vorfall/jeder Emotion umgehen

“Mal sehen, wo genau ist denn die schmerzende Stelle? Dein Arm tut weh? Sehen wir uns das mal an.” Dann greife ich seinen Arm und kontrolliere alle Gelenke, indem ich sie manuell mit meinen Händen bewege: “Hmm, das hier ist ok, wie sieht’s mit dem Handgelenk aus…ja, ok. Und jetzt sehen wir uns noch die Finger an. Hmm, jaaa, alles sieht gut aus. Dir wird es schon ganz bald wieder gut gehen. Tut es noch weh?” Ich blase dann auf die Wunde und während ich das noch tue, sind sie meistens bereits wieder weg und am weiter Spielen.

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Dies lehrt sie, ihre Emotionen zu kennen und mit ihnen umzugehen. Es mag zunächst nach zu viel Fürsorge für solch einen kleinen Vorfall aussehen. Aber indem man die Kinder entscheiden lässt, wann ihr Pflegebedarf gedeckt ist und wann es genug ist, ist es sicher nie zu wenig. Je älter sie werden, desto weniger Fürsorge brauchen sie, bis zu dem Punkt, dass unser Ältester in der Regel “zäh wie ein Brocken Granit” ist und solche Vorfälle innerhalb von Sekunden alleine bewältigt. Er hat eher noch Mühe damit, wenn er von anderen ungerecht behandelt wird. Das liegt daran, dass er ein sehr weiches und fürsorgliches Herz hat. Aber wir werden ihm im Laufe der Zeit auch das beibringen, wie man mit diesen Gefühlen umgeht.

Machen Sie also Ihre Kinder zu Weicheiern, wenn Sie sich so um sie kümmern? Offensichtlich nicht. Ich bin mir sicher, dass unsere Kinder daraus viel eher eine Kompetenz im Umgang mit ihren Gefühlen erwerben. Und das ist es, was sie zäh macht.

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