Letzte Woche habe ich an einer Schulung für Eltern teilgenommen, die von der Schule unseres ältesten Kindes angeboten wurde.

Ich mag solche Schulungen, da ich es immer als interessant und herausfordernd erlebe, mich mit der Thematik „Erziehung“ zu befassen und einen neuen Einblick zu verschiedensten Themen darum herum zu erhalten.

Ein Thema hat mich besonders bewegt. Dieses wird nun auch der Fokus dieses Artikels sein, einschliesslich meiner persönlichen Gedanken und Erfahrungen dazu.

Daher lautet der heutige Titel:

Die 6 Ebene der Bindung – und wie man fehlende Ebenen repariert Teil 1

von | Mrz 5, 2018 | Erziehung

Vor ein paar Monaten schrieb ich einen zweiteiligen Artikel mit dem Titel ” Sechs Arten wie Sie die Beziehung zu ihren Liebsten pflegen können ” Das heutige Thema ist ähnlich, berührt aber einen anderen Aspekt Ihrer Beziehung zu Ihren Kindern.
Wir werden uns die sechs Stufen der Bindung ansehen, die jedes Kind durchläuft – von der ersten bis zur sechsten Stufe.

Ebenen
Wie im anderen Artikel kommt die Inspiration von Gordon Neufeld, der dieses Modell der sechs Ebenen der Bindung entwickelt hat, welche alle Kinder idealerweise in den ersten sechs Lebensjahren durchschreiten .

Die Arten der Bindung sind die gleichen wie in diesem anderen Artikel beschrieben.

Diesmal betrachten wir jedoch den Reifeprozess eines Kindes. Wir werden schauen, wie wir einem Kind helfen können, zu dieser Reife zu gelangen, welche die Grundlage für eine feste und gesunde Bindung wird – vom Kind zu uns, seiner primären Bezugsperson.

Dies, indem wir sicher stellen, dass jede dieser Stufen der Bindungen zu unseren Kindern stark ist, stärken wir ihre natürliche Neigung, unserem Beispiel zu folgen und mit uns zusammenzuarbeiten.

Der Zweck dieses Prozesses ist, Kinder zu haben, die sich benehmen wollen. Kinder, die mit Ihnen zusammen sein wollen, die ihr Leben mit Ihnen teilen und Ihren Anweisungen folgen.

Die American Medical Association (AMA) veröffentlichte die folgende Aussage:

“Eine starke emotionale Bindung mit mindestens einem Elternteil oder einer bedeutenden erwachsenen Person reduziert die Chancen, dass ein Jugendlicher unter emotionalem Stress leidet, Selbstmordgedanken oder -verhalten hat, Gewalt ausübt oder Substanzen verwendet. “

(Zeitschrift der American Medical Association, 278 (10), 823-32, 1997)

Sehen wir uns nun diese sechs Stufen der Bindung an:

  1. Nähe, Körperkontakt
  2. Ein Baby beginnt die Reise der Verbundenheit, dieser Bindung mit dem Elternteil durch Kontakt, Berührung und Nähe. Wenn es wächst und wir die Botschaft senden, dass sie geliebt und umgarnt werden und dass wir gerne um sie herum sind, wird diese Bindung stärker werden.
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    1. Gleichheit

    Etwa im Alter von zwei Jahren fügt ein Kind Gleichheit hinzu. Das ist der Wunsch, wie ihre Eltern zu sein. Es ahmt Wörter, Manieren und Verhaltensweisen nach. Dem heranwachsenden Kind hilft es auch, sich weiterhin mit uns verbunden zu fühlen, wenn wir Interessen oder Neigungen betonen, die wir beide gleich haben. Ihr Wunsch, wie wir zu sein, ist auch ein wichtiges Element in ihrer Sprachentwicklung.

    1. Zugehörigkeit und Loyalität

    Im Alter von drei Jahren beschäftigt sich ein Kind mit Zugehörigkeit und Loyalität, um “auf der gleichen Seite” zu sein, was noch einmal eine ganz andere Art von Nähe ist, sagt Neufeld. Kinder in diesem Alter ergreifen Besitz über ihre Eltern, schubsen Geschwister aus Mamas Schoss und sagen Dinge wie: “Das ist meine Mama.” Mit dieser Bindung durch Loyalität beginnt das Kind auch zu wollen, was wir von ihm verlangen.

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stages

4. Wertschätzung

    1. Findet ungefähr im Alter von vier Jahren statt.
      Die Bindung vertieft sich noch mehr mit der nächsten Stufe: Wertschätzung.
      Indem wir unser Kind wissen lassen, dass es für uns besonders ist, dass es geschätzt wird, für wer es ist, stärken wir das Gefühl der Nähe zwischen uns.
      Das Verständnis des Kindes für seine Bedeutung beruht auf dem Verständnis, dass Eltern sich nahe halten, was ihnen wertvoll ist.

      1. Liebe

      Etwa im Alter von fünf Jahren bewegt sich das Kind in die fünfte Ebene der Bindung, die in Form von emotionaler Verbundenheit auftritt. Wärme und liebevolle Gefühle helfen dabei, die Bindung zu vertiefen. Jetzt ist es wichtig, dass das Kind weiss, dass die Liebe, diewir für sie haben, nicht an Errungenschaften, Leistung oder Verhalten gebunden ist. Dies wird zu einem wesentlichen Faktor für die Vertrauensbildung bei den Eltern. Ein Kind, das diese Art von emotionaler Intimität mit dem Elternteil erlebt, ist in der Lage, viel mehr körperliche Trennung zu tolerieren und dennoch die Eltern in der Nähe zu halten.

      1. Vertrautheit

      Und schliesslich ist es die letzte Stufe – „Vertrautheit“ – in der, wenn alles gut gegangen ist, das Kind ab sechs Jahren Ihnen seine Geheimnisse erzählt. Es möchte gesehen, gehört und akzeptiert werden für das, was es ist. Das Kind möchte gekannt sein und möchte sich dem Elternteil anvertrauen. Dank der besonderen Sicherheit, die es um Sie herum fühlt, gibt es die Erlaubnis, gekannt zu sein. Wenn dieses Stadium in der Kindheit erreicht wird, ist es durchaus wahrscheinlich, dass dieses während des gesamten Lebens beibehalten werden kann.

    Jede Stufe festigt die Bindung zwischen Eltern und Kind. Auf der anderen Seite schwächt sich die Beziehung, wenn einige dieser Stufen geschwächt sind. Wenn Ihre Kinder mit Ihnen zusammen arbeiten, ohne dass sie von Ihnen hineingestossen und gedrängt worden sind, ist der Grund dafür meistens, dass sie eine starke und liebevolle Bindung mit Ihnen hatten.

    Wenn Eltern allerdings nur auf das Verhalten ihrer Kinder schauen, anstatt sich auf ihre Bindung mit ihnen zu konzentrieren, werden sie hart daran arbeiten, neue Ideen von Strafen oder Konsequenzen zu entwickeln und infolgedessen bei ihrer Erziehungsaufgabe zu versagen. Sie werden sich dabei wundern, warum sie mit ihren Methoden ihre Kinder nicht dazu gebracht haben, sich zu benehmen.

    Als ich letzte Woche während der Schulung von diesem Thema hörte, stellte sich mir eine Frage:

    “Was passiert, wenn wir eine dieser Phasen verpasst haben?”

    “Gibt es irgendeine Möglichkeit, diese verpasste Etappe nachzuholen?”

    Der Lehrer bejahte das und ich musste dabei an unsere eigenen Kinder denken.

    Mir wurde klar, dass wir bis jetzt mit zweien von ihnen nachholen mussten.

    Ich wusste bisher nichts über die Ebenen, aber wir hatten unbewusst das Gefühl, dass in ihrer sicheren Bindung etwas fehlte. Einer unserer Jungen zum Beispiel sträubte sich immer, wenn wir ihn in die Armen nehmen wollten, als er vier Jahre alt war. Er zeigte Widerstand, wenn wir ihn nah halten und ihm unsere Zuneigung geben wollten. Selbst mit Worten war es schwierig, ihn zu erreichen und ein Zeichen der Bestätigung zu sehen, dass unsere bestätigenden Worte “in seinem Herzen gelandet” waren.
    Wir gingen zurück zu Ebene 3 (ohne zu wissen, dass es eine solche Ebene überhaupt gibt). Wir zeigten ihm immer wieder, dass er Teil der Familie war, dass wir stolz auf ihn waren und dass ohne ihn unsere Familie nicht die gleiche wäre. Wir nahmen uns mehr Zeit, um ihm zu zuhören (er braucht viel Zeit, um langsam, nachdenklich seine Gedanken auszudrücken) und bekräftigten seine Gedanken und Gefühle. Innerhalb von ein paar Wochen sahen wir Veränderungen. Er fing an sich in unsere Armen zu schmiegen, sein Gesicht begann zu leuchten, als wir bestätigende Worte zu ihm sagten.
    Eines Tages – ich erinnere mich wie gestern daran, sagt ich ihm:

    “Ich staune, wie du das geschafft hast!”

    Er sah mich mit einem breiten Lächeln an.

    “Da hast du aber gestaunt, was?”

    Und er schmiegte sich an mich und schlug seine Ärmchen um meinen Hals, als ich ihn in die Armen nahm.  In diesem Moment wurde mir klar, dass er angekommen war und dass meine Worte in seinem Herzen gelandet waren, und er begann diese Sicherheit zu haben, dass er zu uns gehört und ein Teil unserer Familie ist.

    Nächste Woche werden wir uns anschauen, was schief gehen kann, wie wir die verschiedenen Stadien bei unseren Kindern bekräftigen können und wie wir die fehlenden Phasen reparieren können.

    Über den kanadische Entwicklungspsychologe Dr. Gordon Neufeld:
    Dr. Gordon Neufeld arbeitet seit über dreißig Jahren mit Kindern und den für sie verantwortlichen Erwachsenen. Als führende Autorität auf dem Gebiet kindlicher Entwicklung gibt er seine Erfahrung mittlerweile weltweit in Vorträgen und Seminaren weiter und veröffentlicht Bücher sowie DVDs mit Vorträgen und Schulungen.
    Neufeld arbeitete mehrere Jahre im Gefängnis mit jugendlichen Gewaltverbrechern, hat 13 Jahre lang an der University of British Columbia als Professor gelehrt und war viele Jahre in eigener therapeutischer Praxis tätig.
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    Dr. Neufeld ist vor allem durch seine bahnbrechenden Einsichten über Bindung und Aggression bekannt geworden, und sein Modell der kindlichen Entwicklung hilft Eltern und professionell mit Kindern Tätigen entscheidend weiter – und damit auch den Kindern!
    Dr. Neufelds einzigartige Fähigkeit, das Verhalten von Kindern verständlich zu machen, hat dazu geführt, dass er als Vortragsredner und Seminarleiter international sehr gesucht ist. Mit seiner lebhaften und warmherzigen Art hilft er seinen Zuhörern, Zugang zu ihrer eigenen Intuition zu finden und Lösungen auch für komplexe Probleme zu erkennen.
    Gordon Neufeld ist verheiratet, hat fünf Kinder und derzeit fünf Enkelkinder.

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