Wie eine Kultur der Ehre in einer Familie wundervolle Ergebnisse hervorbringen kann Teil 2

von | Sep 16, 2018 | Erziehung, Familienleben

Wie wir im letzten Artikel gesehen haben, befähigt die Ehre.

Ehre macht Sie frei – frei zu Veränderungen, frei zu wachsen, zu gedeihen und Ihr Bestes zu geben.

Das Gleiche gilt für unsere Kinder – alle Kinder unter unserer Aufsicht.

Wir haben gesehen, dass es einen anderen Weg gibt, als unsere Kinder mit Etiketten zu definieren…. auch in Zeiten, in denen wir gute Gründe haben, einem unserer Kinder ein solches Etikett zu geben, da es perfekt zu dem aktuellen Verhalten passen würde.

Ehre

In diesem Artikel möchte ich Ihnen einige weitere Beispiele zeigen, wie Ehre unsere Interaktionen definiert und wie wir durch diese gegebene Ehre eine Freiheit sehen, die unseren Kindern hilft, zu ihrer gottgegebenen Identität, zu ihrer einzigartigen, spezifischen Bestimmung zu reifen, zu wachsen und zu gedeihen.

Ich möchte mit Ihnen teilen wie

  • Wir uns nie über unsere Kinder lustig machen oder ins Lächerliche ziehen, was sie tun.
  • Wir die Gefühle und Wahrnehmungen unserer Kinder validieren.
  • Unser Ziel der Erziehung nicht ist, unsere Kinder zu kontrollieren – sondern ihnen Selbstkontrolle beizubringen.
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  1. Wir machen uns nie über unsere Kinder lustig noch ziehen wir ins Lächerliche, was sie tun

Kinder können lustig sein. Es gibt Situationen, in denen wir über die Reaktionen oder das Verhalten unserer Kinder amüsiert sind. Als Familie lieben wir es, Spass zu haben. Wir lieben es, gemeinsam zu lachen, es ist Teil dessen, was unsere Kinder lieben – lustige Zeiten, mit Lachen und Albernheiten als Familie. 

Wir lehren unsere Kinder jedoch, dass es einen Unterschied gibt, ob sie eine gute Zeit zusammen verbringen oder sich über jemanden lustig machen,  jemanden verspotten. 

Es gibt Zeiten in unserer Familie, in denen unsere Kinder es lieben, dass alle über das, was sie tun oder sagen, lachen. Das ist nicht das, wovon ich rede. 

Ich spreche von solchen Spässen, die jemanden zum Gegenstand der Unterhaltung machen. Ich spreche von der Art von Kommentar, der eine andere Person verspottet. Ich spreche von der Art von Situation, in der die andere Person als Dummer, Narr, Idiot oder als naiv herauskommt – und einige Leute mögen es, Spass auf Kosten von jemand anderem zu haben. 

Das beginnt bei den kleinen Dingen, wie wir es vor einigen Wochen mit unserem Zweijährigen erlebt haben.

In diesem Sommer lernte er, auf die Toilette zu gehen. Er war jedes einzelne Mal sehr stolz , wenn er in der Lage war, sich zu kontrollieren.

Eines Tages sass ich mit ein paar Freunden im Garten und sah, wie unser zweijähriger sich uns näherte. Er hatte seine Hose und Windeln ausgezogen und hatte seinen Hintern nackt. Er nahm Augenkontakt mit mir auf, stand ein paar Meter vor uns breitbeinig hin und pinkelte ins Gras… direkt vor unseren Augen.

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Meine erste Reaktion wäre fast gewesen, über ihn zu lachen. Es war einfach urkomisch – (und dann vielleicht, mit ihm zu schimpfen, weil das, gemäss unseren kulturellen Normen, ziemlich unhöflich war) …

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Aber ich erkannte seinen Blick: Es war ein stolzer und glücklicher Blick.

Sofort passte ich meine Reaktion diesem Blick an. Ich verstand, dass er nicht lustig oder gar unhöflich sein wollte. Er wollte seine Fähigkeit, sein Pipi zu kontrollieren, zeigen.

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Deshalb warf ich meinen Freunden einen kurzen Blick zu (die im Begriff waren, in Gelächter auszubrechen) und sagte meinem Sohn:

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“Wow, ich bin so stolz auf dich! Das hast du super gemacht! Sehr gut! Du hast genau gewusst, wann es Zeit zum Pinkeln war, nicht wahr?“

 

“Ja” antwortete er glücklich. 

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Er war so stolz und sah mich mit einem breiten Lächeln an, glücklich und zufrieden. Ich konnte geradezu beobachten, wie er gerade vor meinen Augen ein paar Zentimeter wuchs.

In dieser Situation ehrte ich meinen Sohn. Es galt, seine wahre Motivation, seine noch begrenzten sozialen Fähigkeiten (er wusste nicht, dass dies keine angemessene Handlung war) zu erkennen und ihn, angepasst an seinen Reifegrad, so zu betrachten, wie er war:
Ein süsses Kleinkind, begierig darauf, ein grosser Junge zu sein, fähig für die Dinge, die auch seine älteren Geschwister tun. Es wäre erniedrigend und demütigend für ihn gewesen, wenn ich in Gelächter ausgebrochen wäre – umso mehr gemeinsam mit meinen Freunden – oder wenn ich verärgert mit ihm geschimpft und sein Handeln beschämt hätte, unter der Annahme, dass er einfach respektlos und unverschämt gegenüber unseren kulturellen und sozialen Standards gehandelt hatte.
Ehre

2. Wir validieren die Gefühle und Wahrnehmungen unserer Kinder

Ich erinnere mich, wie ich mich als Kind gefühlt habe, als ich meine Emotionen oder Gefühle über eine Situation zum Ausdruck brachte und nicht ernst genommen wurde.

Und ich weiss, wie unsere Kinder auf uns reagieren, wenn wir uns die Zeit nehmen, ihre Emotionen oder Gefühle zu bestätigen, wie mein Mann in diesem Artikel beschrieben hat. 

Vor ein paar Wochen, an einem Samstagnachmittag, wurde ich eingeladen, mit meinen Kindern eine befreundete Familie zu besuchen.

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Im Moment ist es immer eine grosse Herausforderung für unsere Vierjährigen, das Haus zu verlassen, umso mehr, wenn dies bedeutet, an einen Ort zu gehen, wo andere Kinder sind.

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Er wollte nicht in das Auto steigen. Er weinte, als ich den Motor startete. Umso mehr, als wir von unserem Parkplatz wegfuhren – und auch noch in den nächsten Minuten, während wir unterwegs waren.

Um ehrlich zu sein, fühlte ich mich sehr ungeduldig und gereizt. Sein Weinen war ermüdend, und ich hatte das Gefühl, dass es einfach unnötig war, eine so grosse Sache daraus zu machen. Ich wusste jedoch, dass dies in der Tat eine grosse Sache für ihn war.

 

Deshalb atmete ich tief durch und fragte ihn sanft:

 

“Ist die Idee, diese Familie zu besuchen, so schwierig für dich?“

Durch den Rückspiegel sah ich ihn nicken und noch mehr weinen.

“Macht es dir Angst?”

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 Ich setzte meine Fragen fort und versuchte, seine Gefühlswelt zu verstehen.

Nach ein paar solcher Fragen und dem Gefühl, dass ich eine Vorstellung von seiner Realität hatte, sagte ich zu ihm:

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“Oh Junge, ich verstehe. Das muss wirklich schwierig für dich sein. Es tut mir leid, dass du dich gerade so fühlst. Und weisst du – es ist okay, wenn du dich so fühlst. Ich bin stolz darauf, wer du bist.

Im Moment kann ich nichts tun, um diese Situation zu ändern, denn wir haben der Familie versprochen, dass wir kommen und deine Geschwister und ihre Kinder freuen sich auf diesen Nachmittag. Manchmal im Leben können wir nicht einfach das tun, was wir wollen. Wir können jetzt nicht nach Hause gehen. Aber ich habe gehört, was du sagst, und ich habe dich verstanden. Du bist so ein toller Junge, ich bin so glücklich darüber, wer du bist. Ich werde bei dir sein – und ich weisst du, diese Kinder sind glücklich, dass du kommst.”

 

Er hörte nicht auf zu murmeln, dass er nicht gehen wollte.  Aber das emotionale Weinen, der Schmerz und die Angst, die am Anfang da waren, waren weg.

Es war eher wie ein spärliches “Aber ich will nicht gehen.”

Von Zeit zu Zeit schaute ich in den Rückspiegel, lächelte ihn an und wiederholte:

“Ja, ich weiss, dass du nicht gehen willst. Und das verstehe ich. Es ist total in Ordnung, wenn du dich so fühlst.”

 

Als wir ankamen, hatte ich einen friedlichen (wenn auch anhänglichen) kleinen Jungen.

Als wir abends losfuhren, nach einem Nachmittag voller Spiele, rumtollen auf dem Spielplatz und Gelächter, hatte ich einen glücklichen kleinen Jungen, der mir sagte, dass er seinen Nachmittag mit diesen Kindern geliebt hatte.

3. Unser Ziel der Erziehung ist nicht, unsere Kinder zu kontrollieren – sondern ihnen Selbstkontrolle beizubringen. 

In unserer Familie wollen wir eine Kultur in unserer Familie haben, in der Vertrauen und Freiheit einen sicheren Ort schaffen, um dem Kindern Selbstkontrolle beizubringen.

Aber wie ich im obigen Beispiel erklärt habe, hat das nichts damit zu tun, dass sie tun, was sie wollen, oder dass ihre emotionale Welt ihren Alltag bestimmen lässt.

Denn darum geht es nicht bei der Selbstkontrolle.

Das Ergebnis dieser nächsten Geschichte zeigt ein wenig, was wir in unseren Kindern erreichen wollen:

Ehre

Vor ein paar Tagen ärgerte unser Ältester seine jüngeren Geschwister.

Nun, das ist etwas, was er sehr selten tut. Er ist ein sehr sanfter, fürsorglicher grosser Bruder. Nach ein paar Interventionen meinerseits, bei denen ich ihm sagte, er solle aufhören, sich so zu verhalten – ohne jegliche Änderung seiner Gesinnung – nahm ich ihn an die Hand, führte ihn (gegen seinen Willen) in sein Zimmer und schloss die Tür hinter ihm.

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Nach ein paar Minuten öffnete er die Tür und rief:

„Mami, kann ich rauskommen?“  

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Ich antwortete ihm: „Natürlich kannst du das. Du bist nicht bestraft. Ich habe nur versucht, einen Weg zu finden, dich zu beruhigen, damit du wieder angemessen mit deinen Geschwistern umgehen kannst.“

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Er sah mich an, lächelte, kehrte in sein Zimmer zurück und spielte dort mehr als eine Stunde lang für sich allein.

Als er wieder herauskam, ganz ruhig und entspannt, fragte ich ihn:

 

“Sohn, was ist passiert? Warum warst du so mit deinen Geschwistern?”

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Seine Antwort erstaunte mich. Ich denke, für einen 8-Jährigen war das ziemlich überraschend:

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“Gestern wurde es spät, bis wir schliefen, und heute hatte ich den ganzen Tag Schule, ich glaube, ich war einfach ein wenig überfordert.”

 

“Ok, ich verstehe”, antwortete ich.

“und was kann ich für dich tun, wenn dies das nächste Mal passiert? “.

 

Er sah mich lächelnd an:

 “Nun, das Gleiche schätze ich. Es war gut, etwas Zeit zu haben, um alleine zu spielen.”

Natürlich verlaufen unsere Interaktionen nicht immer so reibungslos. Aber das ist es, was wir letztendlich wollen. Wir wollen unsere Kinder nicht kontrollieren. Zwar haben wir einen hohen Standard, wie wir miteinander umgehen und welche Entscheidungen sie treffen oder wie sie sich verhalten.

Aber wir wollen ihnen die Selbstkontrolle beibringen. Und das in einer Atmosphäre ohne Kontrolle, Strafe und Angst.

Es ist durchaus möglich, dass Sie einen anderen Namen für diesem Wert haben, den wir ” Ehren ” nennen.

Nachdem Benny und ich geheiratet hatten, wendeten wir das gleiche Prinzip an, ohne einen Namen dafür zu haben. Wir wussten einfach, dass wir keine Etiketten verwenden wollten, um uns gegenseitig und unsere Kinder zu bezeichnen. Wir unterschieden klar zwischen “Spass haben” und “sich über jemanden lustig machen”.  Für uns war es sehr wichtig, die Gefühle des anderen zu bestätigen und ernst zu nehmen. Kontrolle ist ein Thema, mit dem Benny und ich beide unsere Erfahrungen gemacht hatten, und wir wussten, dass wir das nicht in unserer Familie kultivieren wollten. Deshalb haben wir es gegen Selbstkontrolle eingetauscht.

Einige Jahre später in unserer Ehe entdeckten wir das Buch von Danny Silk “Kultur der Ehre“. Als wir es lasen, hatten wir einen Namen dafür, was bis zu diesem Zeitpunkt zu tun versucht hatten:

Wir ehren uns gegenseitig. Wir ehren unsere Kinder.

 

Man kann Lieben, ohne jedoch diese Haltung der Ehre einzunehmen. Wahre Ehre bedeutet jedoch immer zu Lieben.

Man kann versuchen, freundlich und respektvoll zu sein. Doch die Ehre geht einen Schritt weiter: Sie taucht in Situationen auf, in denen es die andere Person am wenigsten verdient – einfach weil Ehre eine Lebenseinstellung ist, die von demjenigen ausgeht, der sie gibt, unabhängig von der Identität und dem Verhalten desjenigen, der sie erhält.

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