Wie eine Kultur der Ehre in einer Familie wundervolle Ergebnisse hervorbringen kann Teil 1

von | Sep 9, 2018 | Erziehung, Familienleben

Ehre – kann das eine Form der Kindererziehung sein?

Letzte Woche habe ich Ihnen erzählt, wie Ehre etwas ist, das unsere Ehe stark hält.

Ehre hält jedoch nicht nur unsere Ehe stark, sie prägt auch unsere Familie, die Art, wie wir mit unseren Kindern umgehen.

Was bedeutet Ehre in diesem Zusammenhang?

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Ich weiss, dass Ihnen das Wort “Ehre” in Bezug auf unsere Kinder vielleicht nicht gerade alltäglich vorkommt. Meistens hören wir eher von “Eltern ehren” und wie Kinder ihren Eltern Ehre und Respekt entgegenbringen sollen.

Nun, dieser Artikel könnte genauso gut den Titel “Wie man Kindern beibringt, ihre Eltern zu ehren” tragen.

Denn wo könnte ein besserer Ort sein, um unseren Kindern den Begriff der Ehre beizubringen, als in ihrer Kindheit, in der Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen? Wo würden Kinder lernen, andere effizienter zu ehren – als mit uns, ihren Eltern, als dadurch, wie wir als Eltern sie behandeln? Wo sonst, wenn nicht aus der Kultur, die wir als Familie pflegen, über die Werte, die wir in sie hinein pflanzen?

Und schliesslich ist eine Kultur der Ehre – in einer Familie und im Leben im Allgemeinen – nie auf der Erwartung aufgebaut, “wie ich erwarte, von dir behandelt zu werden” oder “was ich von dir bekommen kann”. Es basiert auf “wie ich mich entscheide, dich zu behandeln” und “welche kulturelle Norm ich durch meinen Umgang mit dir in deinem Leben umsetze”.

 Einmal im Jahr braucht unser Dorf für eine grosse, jährliche Veranstaltung „Servierdüsen“ (wie wir in der Schweiz Kellnerinnen zu nennen pflegen) und ich geniesse es sehr, ein paar Stunden in einem Restaurant zu arbeiten, das für diesen speziellen Anlass geöffnet ist.

Während diesen Stunden behandle ich die Besucher dieses Restaurants mit der gleichen “Kultur der Ehre”, die wir in unserer Familie leben. Es ist dabei absolut erstaunlich, zu sehen, wie die Menschen direkt vor meinen Augen aufblühen. Sie lieben mich.

Oder besser gesagt – sie lieben es, wie ich sie behandle. Sie können die Ehre spüren. Sie können spüren, dass sie in meinen Augen wertvoll sind. Und sie antworten mit einem Lächeln, erzählen mir etwas über ihr Leben – oder geben mir ein grosses Trinkgeld (keine Sorge, das ist nicht der Grund, wieso ich so mit ihnen umgehe – da das Trinkgeld sowieso nicht für mich bestimmt ist, sondern in die Kasse geht).

Meiner Beobachtung nach reagieren alle auf Ehre. Noch mehr diejenigen, die es nicht “verdienen”. Es gibt Leute, die Kellnerinnen wie Dreck behandeln. Oder Menschen, die allgemein eine mürrische Lebenseinstellung haben. Diese Leute sind diejenigen, die ich direkt vor meinen Augen erblühen sehe. Und ich liebe es, wenn das passiert. 

Wie Sie sehen können, liegt mir dieses Thema am Herzen – und in diesem Artikel werde ich versuchen, zu beschreiben, wie wir eine “Kultur der Ehre” in unserer Familie anwenden. Ich werde Ihnen über einige Situationen berichten, die sich in unserem Zuhause ereignet haben, ein paar Punkte, die wir in unserer Familienkultur gewissenhaft anwenden. Ich werde Ihnen erklären, warum wir tun, was wir genau tun und wie wir sehen, wie es in unserer Familie funktioniert. 

Einer der wichtigsten Faktoren, um unsere Kinder zu ehren, ist, sie in ihre einzigartige Identität zu führen, ihnen zu helfen, in ihre einzigartige Bestimmung zu gelangen.

Wie können wir das tun?

Wie Sie wahrscheinlich wissen – gerade wenn Sie Ihre eigenen Kinder betrachten – ist jedes Kind einzigartig. Ihr Kind mag oder mag nicht in unsere kulturelle oder soziale Norm hineinpassen… 

Wie ich in diesem Artikel schrieb, können Etiketten uns als Eltern helfen, uns sicherer oder in der Kontrolle zu fühlen.

Die Wahrheit ist jedoch, dass Etiketten nie mit dem übereinstimmen, was Ihr Kind wirklich ist.

Diese Bezeichnungen können ADD, Autismus, Hypersensibilität und vieles mehr heissen.

Ich habe Freunde, von denen ihre Kinder sehr gut in diese Etiketten passen. Ich sage nicht, dass es so etwas nicht gibt. Was ich sage, ist, dass diese Namen nicht das sind, was sie schlussendlich definiert, wer diese kostbaren Kinder wirklich sind. Das ist nicht ihre gottgegebene Identität. Das ist nicht ihre Bestimmung. 

Und sie in ihre von Gott gegebene Identität, ihre Bestimmung zu führen – darum geht es in diesem Artikel.

Lassen Sie uns über andere Etiketten nachdenken, die wir unseren Kindern aufgrund ihrer Handlungen und Verhaltensweisen geben können.

 Es gab eine Zeit in unserer Familie, in der unsere 5-Jährige bei jeder Gelegenheit log.

Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Was ich aber wusste, war, dass ich es nicht ausstehen konnte. Ich wusste, dass ich kein Kind haben wollte, das lügt. Es widerspricht all unseren Werten und Normen, die wir in unserer Familie vertreten.

Meine Schwester, die eine Fachkraft in der Pädagogik mit grossem Wissen ist, gab mir einige Einblicke (in einem anderen Artikel werde ich mehr darüber schreiben, was ich über dieses Thema gelernt habe), wie man mit einer solchen Situation weise umgehen kann, und wir haben folgendes versucht:

 

Eines Tages bekamen unsere Kinder M&M’s zum Nachtisch. Wir sagten ihnen, dass jeder von ihnen 12 M&M’s nehmen durfte.  Nach einer Weile fragte uns dieses spezifische Kind:

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Ich hatte bis jetzt nur sechs, kann ich nun noch sechs weitere nehmen?

Benny und ich wussten, dass dies nicht der Wahrheit entsprach, da wir die Situation beobachtet hatten, während wir miteinander sprachen. Wir fragten sie:

“Du hattest nur sechs?”

 “Ja”, antwortete sie.

 

Da sagten wir ihr:

“Nun, wir vertrauen dir, natürlich kannst du mehr haben, wenn du nur sechs hattest.”

Sie sah uns an und zögerte. Als Benny ihr Zögern sah, gab er ihr noch sechs weitere mit der Bemerkung:

“Hier, bitte schön. Geniesse deine M&M’s, Süsse. Wir wissen, dass du eine vertrauenswürdige Person bist.”

Sie sah uns an. Man konnte sehen, dass sie sehr viel Mühe hatte, diese sechs M&M’s hinunter zukriegen.

Sie fragen sich vielleicht, warum wir sie nicht konfrontierten, als sie uns angelogen hatte.

Nun, wir konfrontierten sie mit unserem Vertrauen. Wir führten sie sanft in ihre wahre Identität hinein. Wir wussten, dass ihre Identität nicht die einer “Lügnerin” war. Wir weigerten uns, ihr Verhalten bestimmen zu lassen, wer sie war. Wir weigerten uns, sie zu beschämen, sie zu bestrafen oder ihr zu sagen, wie ihr Herz sündig war und wie sie Busse tun müsste.

Nach dieser Situation kam es nur noch sehr selten vor, dass sie log.

Ein anderes Mal erwischten wir sie beim Lügen über etwas Kleines, und wir sagten zu ihr: “

“Weisst du, es ist sehr wichtig, die Wahrheit zu sagen. Wir wissen, wer du bist. Wir vertrauen dir. Aber im Kindergarten, wenn man ein paar Mal lügt, bekommt man das Etikett eines “Lügners”. Das wäre wirklich schwierig für dich, nicht wahr?”

Sie nickte und antwortete:

“Ja, wir haben ein Mädchen in unserem Kindergarten, das sehr häufig lügt.”

” Siehst du”,

antworteten wir,

“und ist es für dich leicht, ihr zu glauben, auch wenn sie die Wahrheit sagt?”

“Nein…”

antwortete sie zögernd.

“Siehst du, das Gleiche gilt für dich. Deshalb ist es für dein eigenes Leben viel besser, immer die Wahrheit zu sagen, auch wenn es dich von Zeit zu Zeit in Schwierigkeiten bringen könnte. Wir lieben dich, und wir wissen, wer du bist. Wir können mit der Wahrheit umgehen, und wir versprechen, dass wir dich nie über deine Fehler oder Irrtümer definieren werden.”

An diesem Punkt verstand sie, dass sie das Problem hatte und dass es in ihrer eigenen Verantwortung lag, es zu lösen.

Und das war das Ende ihrer Lügengewohnheit.

Viele gut meinende christliche Eltern (und einige gut meinende christliche Kinder-Experten) handeln in solchen Situationen mit einem Bibelvers im Kopf, wie:

Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen. Psalm 51.7

Die Gottlosen sind abtrünnig von Mutterleib an, die Lügner gehen auf dem Irrweg von Geburt an. Psalm 58:4

Torheit steckt dem Knaben im Herzen, aber die Rute der Zucht wird sie ihm austreiben. Sprüche 22.15

Diese Eltern (und diese Bücher über Kindererziehung) sehen Kinder als sündige Geschöpfe, die Korrektur, Konsequenzen und Härte benötigen, um sie auf den richtigen Weg zu bringen.

Sie können sich selbst vorstellen, wie ich mit der ganzen Situation oben umgegangen wäre, wenn ich meine Kinder so gesehen hätte. (Und ich bin überzeugt, dass dieses Kind nicht zu dem geworden wäre, was es heute ist).

Aber lassen Sie mich Ihnen eine Frage stellen: Wenn Sie als Erwachsener (vermutlich voller Reife und Selbstbeherrschung) etwas Falsches in Ihrem Erwachsenenleben tun – was ist es, das Sie zurück zum Richtigen bringt?

Hilft ein Etikett (wie in dieser Geschichte – Sie sind ein sündiger Lügner), eine Strafe (Sie können keine M&M’s für das nächste Jahr haben) oder irgendeine Art von Anschuldigung (Ihr Herz ist so sündhaft und Sie sind ein schlechter Mensch) einer Person, die mit einem Problem zu kämpfen hat, dabei, sich zu ändern?

Oder führt Sie das Vertrauen, die Herzensverbindung mit dem anderen Menschen, die Erinnerung daran, wer Sie wirklich sind und ihr Wissen das Sie ein Problem haben, bei dem sie Eigenverantwortung tragen, in Veränderung und Freiheit?

Sie sehen, Etiketten begrenzen, definieren das Kind. Etiketten lehren ihm “gelehrte Hilflosigkeit”. Das Kind hat keine Kontrolle über diese Etiketten, da dieses Etikett bestimmt, wer das Kind ist.

Haben Sie jemals versucht, mit einem Ehepartner, einem Chef, einem Lehrer oder einem Pastor usw. zu interagieren, der Sie mit einem Etikett behandelt hat? Eine Person, die Sie nach ihren Leistungen, Handlungen, Fehlern oder Misserfolgen beurteilt und definiert hat? Nach meiner Erfahrung nach ist dies kein Ort der Freiheit, kein Ort, an dem man sich frei fühlt, sich zu verändern, zu wachsen, zu gedeihen und diesen Wunsch zu haben, sein Bestes zu geben.

Ehre befähigt. Ehre befreit – befreit sich zu verändern, befreit zu wachsen, zu gedeihen und sein Bestes zu geben.

Das Gleiche gilt für unsere Kinder – alle Kinder unter unserer Aufsicht. 

Im nächsten Artikel werde ich noch etwas mehr darüber schreiben, wie wir diese Kultur in unsere Familie integrieren. Wie Ehre unsere Interaktionen definiert und wie wir durch diese gegebene Ehre eine Freiheit sehen, die unseren Kindern hilft, zu ihrer von Gott gegebenen Identität, zu ihrer einzigartigen, spezifischen Bestimmung zu reifen, zu wachsen und zu gedeihen.

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