Warum ich kein nettes Mädchen mehr sein will

von | Sep 22, 2018 | Erziehung, Persönliches wachstum

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich ein “nettes Mädchen” war (oder versuchte zu sein).

Ich war früher die Art von Mädchen, die versuchte, nett und angepasst zu sein, indem ich höflich, ruhig, gehorsam, dienend, liebenswert, süss, sanft – und nett war.

Nach meinem Verständnis war ein nettes Mädchen zu sein gleichbedeutend damit, eine gute Christin zu sein.

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Und weil ich weiss, dass ich nicht die Einzige mit dieser Erziehung war und dass viele Eltern genau diese Idee über den Zweck ihrer Erziehung haben, habe ich beschlossen, mit Ihnen zu teilen, warum ich nicht mehr ein nettes Mädchen sein will. Warum ich meinen Kindern – meinen drei Jungs und erst recht meinem Mädchen – nicht beibringen werde, “nette” Menschen zu sein, wenn sie erwachsen sind.

Ich werde hauptsächlich über “nette Mädchen” sprechen, da ich aus meiner persönlichen Erfahrung spreche. Dies gilt jedoch in gewisser Weise auch für Jungen.

Das Gute daran, “nett” zu sein, ist, dass man geliebt und gelobt werden könnte.

Diese Eigenschaften – höflich, ruhig, gehorsam, dienend, liebenswert, süss, sanft – und nett zu sein – sind in der Tat wunderbar und “nette Mädchen” wie diese sind so gut wie überall gemocht. “Nette Mädchen” ist das, was viele Lehrer, Arbeitgeber und sogar zukünftige Ehepartner (und – nach meiner Erfahrung umso mehr – mögliche zukünftige Schwiegermütter!) suchen.

Nette Mädchen sind nicht kompliziert in der Handhabung. Ein gutes Mädchen passt sich jeder Situation an, benimmt sich höflich, gehorsam und dienend.

Nette Mädchen werden keine Probleme mit eigenen Meinungen, unterschiedlichen Ansichten oder einer gefestigter Haltung verursachen. Sie werden einfach alles annehmen und versuchen, gemocht, geschätzt und gelobt zu werden, weil sie sich bemühen, “nett” zu sein – und das um fast jeden Preis.

Das Problem, das ich erlebte, war, dass ich als das “nette Mädchen” wahrgenommen wurde, aber das war es auch schon.

In der französischen Schweiz, wo ich lebte, als ich um die zwanzig Jahre alt war und dieses “nette Mädchen” darstellte, gibt es ein Sprichwort, das so lautet und eine solche Person beschreibt:

“Elle est gentile, gentile et gentile”. (Sie ist nett, nett, und nett” ).

Und das ist genau das, was ich empfand. Ich war nett. Das war’s dann. Keine anderen Qualitäten in meinem Leben.

Und hier liegt das Problem.

Ich erlebte, dass es nicht mehr so cool ist, zu versuchen, süss und sanft zu sein, zu dienen, liebenswert, höflich, ruhig und gehorsam zu sein, wenn ich mich eigentlich ganz anders fühle und denke. Wenn ich Angst hatte und unsicher war, dadurch weder mich selbst war, noch authentisch und präsent – ja, dann erschien mir mein freundliches Verhalten wie ein Verrat an mir selbst!

Die Wahrheit ist, dass ein “nettes Mädchen”, wie ich es war, nicht wissen wird, wie man authentisch, präsent und sich selbst in Alltagssituationen ist.

Diese drei Eigenschaften – Authentizität, Präsenz und Selbstsein – sind jedoch dringend erforderlich, um sich am Leben zu beteiligen. Sie sind benötigt, um sinnvolle Beziehungen zu leben. Benötigt, um sich selbst sein zu können. Benötigt, um auf eine reale Art und Weise mit meinen liebsten verbunden zu sein. Benötigt, um diese Freundin sein zu können, die sich selbst auf authentische Weise teilt und verschenkt. Benötigt, um eine Mutter zu sein, die in der Lage ist, eine echte Verbindung zu ihren Kindern zu haben, und wahre Intimität mit ihrem Ehepartner. Es ist schwierig, Gott auf ehrliche, persönliche Weise zu erfahren, wenn man versucht, auch für Ihn dieses “nette Mädchen” zu sein.

Auf meinem Weg, nicht mehr nur dieses “netten Mädchen” zu sein, lernte ich, dass “nette Mädchen” zwar nett und beliebt sein können, geschätzt und sogar gefeiert, weil sie so einfach zu handhaben sind – aber real und authentisch zu sein, sich im Leben zu engagieren und es zu wagen, sich selbst zu sein – übertrifft alle Vorzüge eines netten Mädchens.

Thomas Jefferson (ein amerikanischer Gründervater) hat mal gesagt:

“Freie Menschen sind am schwierigsten zu führen.”

Und ich glaube, dass dies zutrifft.

Sie werden kein “nettes Mädchen” finden, das etwas in dieser Welt verändert.

Es gibt keine “netten Mädchen”, die unsere Gesellschaft beeinflussen, mit dem Mut, für das einzustehen, was sie glauben.

  • Es sind die freien Menschen, die nicht einfach einer Philosophie, Idee oder Meinung folgen werden, die diese Welt zu bieten hat.
  • Freie Menschen sind Menschen mit Geradlinigkeit, die nicht ihr Leben leben, um anderen Menschen zu gefallen – sondern die ihren Weg mit Sorgfalt, Weisheit und Selbstkontrolle gehen.
  • Freie Menschen werden in der Lage sein, dem äusseren Druck standzuhalten und in Integrität zu ihren Werten und Herzen zu gehen.
  • Es sind die freien Menschen, die in der Lage sind, ihre Stärken zu erkennen, wer sie sind und in ihre Berufung einzutreten.
  • Es sind die freien Menschen, die nicht aus Pflicht – oder Schuldgefühlen heraus eine Religion leben sondern ein leidenschaftliches Leben aus Liebe zu ihrem Gott führen.
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Freie Menschen, die einem lebendigen Gott aus Liebe dienen, sind die Menschen, die ich nachahmen möchte.

Freie Menschen, die einem lebendigen Gott aus Liebe dienen – das ist es, was ich meinen Kindern vermitteln will, zu werden.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, auf den Prozess den ich durchgegangen bin um nicht mehr nur ein “nettes Mädchen zu sein – so erinnere ich mich, wie beängstigend das für mich war. Natürlich wurde dieser Prozess nicht in ein paar Wochen oder Monaten bewältigt. Ich brauchte Jahre des Wachstums und der Reifung, Jahre der Erfahrung der Treue und der Liebe Gottes in meinen Ängsten und Misserfolgen.

Benny hatte eine grosse Rolle in diesem Prozess.

Zu Beginn unserer Ehe, wenn er mich mit seiner Liebe und Annahme überschüttete und mir sagte, “wie er mich liebte und wie wunderbar ich war”, war meine (ernst gemeinte) Antwort jeweils:

“Du spinnst!” 

Weil ich weiss wie schwierig es ist, aus diesem “netten-Mädchen-Verhalten” auszusteigen, um eine freie, kraftvolle Persönlichkeit zu werden, bin ich mehr als entschlossen, meinen Kindern diese Freiheit von Anfang an zu vermitteln.

Wie ich bereits sagte, bedeutet das nicht, dass sich unsere Kinder nicht benehmen müssen oder dass sie tun können, was sie wollen. Diese Webseite ist voll von Möglichkeiten, wie wir versuchen, diese Freiheit in das Leben unserer Kinder zu integrieren. Die letzten beiden Artikel über Ehre, die Sie hier und hier finden, sind beide ein wichtiger Teil, um dorthin zu gelangen.

Wahre Freiheit entsteht, wenn man weiss, wer man in den Augen Gottes ist.

Wenn man lernt, in dieser Identität beständig zu sein.

Indem Sie diesen Gott kennen.

Indem Sie nicht kontrolliert werden müssen, sondern Selbstbeherrschung gelernt haben.

Indem Sie Ihre Werte kennen, nach denen Sie leben, und indem Sie die Kraft haben, in Integrität zu gehen.

Indem Sie in der Lage sind, ein Leben ohne den Einfluss der Angst zu führen.

Das ist unser Ziel. Das ist es, was wir im Blick haben, wenn wir unsere Kinder grossziehen. Das ist die Reise, auf der wir alle unterwegs sind, bis heute.

 

 

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