Warum ich das Selbstvertrauen meiner Kinder nicht pushen will und was ich stattdessen tue….

von | Jun 24, 2018 | Erziehung, Glaubens Impulse, Persönliches wachstum

Als Mutter möchte ich, dass meine Kinder selbstbewusst werden. Ich sehe einen Teil der erfolgreichen Erziehung darin, Kinder zu haben, die Identität haben und fest im Leben verwurzelt sind, mit Vertrauen und Sicherheit.

Aber ich will keine Kinder mit aufgeblähten Egos. Ich will keine Kinder, die bei der geringsten Provokation explodieren, weil jemand etwas nicht so gemacht hat, wie sie es wollen. Ich will keine arroganten Kinder grossziehen, die voll von sich selbst sind.

selbstvertrauen

Als christliche Mutter gibt es einen wichtigen zusätzlichen Punkt zu diesem Thema: Ich möchte, dass meine Kinder lernen, dass ihr Wert, ihr Selbstwertgefühl in Gott gegründet ist. Dass ihr Wert und ihr Vertrauen nicht auf sich selbst gegründet sein sollte, sondern darauf, wer sie in Gott sind, auf das, was Jesus tat, als er für uns am Kreuz starb.

Das ist ein zentraler Teil des Christentums. 

Und es ist dieser zentrale Teil, bei dem die meisten von uns Erwachsenen, die im christlichen Glauben leben, Schwierigkeiten haben, diesen in das eigene Leben zu integrieren.

Viele von uns haben also weder Selbstvertrauen noch Selbstwertgefühl noch sind wir in der Lage, die Realität unseres Wertes in Christus zu ergreifen.

Wie können wir unsere Kinder vor diesem Dilemma bewahren? 

 Ich habe mehrere christliche Blogs und Bücher gelesen, gefüllt mit theologischen Gründen, warum es falsch sei, dem Kind zu Selbstgefühl und Selbstvertrauen zu verhelfen. Dass wir sie lehren müssen, dass ihr Wert und ihr Vertrauen nur in Gott liegt.  

Diese Autoren sind besorgt, dass ihre Kinder überheblich und arrogant werden, wenn sie zu viel Lob und Anerkennung bekommen. Sie werden versuchen, ihr Kind “bescheiden” zu halten, indem sie sich auf die Unterordnung des Kindes in der Erziehung konzentrieren. Diese Eltern ignorieren viele Bedürfnisse ihrer Kinder, weil sie überzeugt sind, dass diese Bedürfnisse nur ihr eigensinniger Wille oder ihr egoistisches Verlangen sind.  

Als ich all diese Blogs und Bücher las, war ich mit ihrer Interpretation dieses Themas nicht einverstanden. Ich war mir jedoch nicht sicher, wie ich meine Gedanken in Worte fassen sollte.

Während ich kürzlich das berühmte Buch von Jesper Juul “Das kompetente Kind” las, wurde mir etwas klar. Das dritte Kapitel seines Buches heisst “Selbstgefühl und Selbstvertrauen”. Beim Lesen dieses Kapitels hatte ich eines dieser “Aha”-Erlebnisse, durch welches ich plötzlich das in Worte fassen konnte, was wir mit unseren Kindern umzusetzen versuchen. Plötzlich hatte ich eine zutreffende Erklärung dafür.

In diesem Artikel möchte ich mit ihnen teilen, was ich in diesem Bereich verstanden habe. Ich werde mich dabei immer wieder auf den Inhalt des dritten Kapitels vom Buch “Das kompetente Kind” beziehen:

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass die Definitionen von “Selbstvertrauen” und “Selbstgefühl” nicht identisch sind. Sie sind miteinander verbunden, aber sie bedeuten nicht dasselbe.

selbstvertrauen
Selbstgefühl ist unser Wissen und Erleben davon, wer wir sind.”
Selbstgefühl handelt davon, wie gut wir uns selbst kennen und wie wir uns zu dem verhalten, was wir wissen. Wir kennen das gesunde, gut ausgeprägte Selbstgefühl als ein Gefühl des in-sich-Ruhens, des sich Wohlfühlens. Menschen mit einem gesunden Selbstgefühl wissen: “Ich bin in Ordnung, und wertvoll, ganz allein deshalb, weil ich bin.”
Selbstvertrauen handelt von dem, was wir können, – worin wir gut und tüchtig sind oder dumm und schlecht – das, was wir leisten können. Selbstvertrauen ist eher eine äussere, angelernte Qualität.
Menschen mit einem hohen Selbstvertrauen können eine sehr kompetent erscheinende Haltung einnehmen. Wenn dieses Selbstvertrauen jedoch nicht mit Selbstgefühl untermauert ist, kann sich eine solche Haltung in dem Moment auflösen, in dem diese Person ihre Leistungsfähigkeit verliert.

 

Praktisch ausgedrückt: Ein Kind möchte die Kunst des Bowling lernen. Stellen Sie sich vor, dass das Kind versucht, alle neun Kegel herunterzuholen, doch es schafft es kaum, die Bowlingkugel so zu werfen, das sie wenigstens bis in die Mitte auf der Bahn bleibt und nicht schon von Anfang an in der Rinne rollt.

Ein Kind mit einem guten Selbstgefühl ist offen zum Lernen, offen für neue Versuche. Wenn es keine Verbesserung in seiner Leistung gibt, wird das Kind wahrscheinlich enttäuscht oder sogar traurig sein. Diese Erfahrung wird jedoch nicht zu einem Gefühl des Versagens oder gar ein Angriff auf seinen Wert sein.

Ein Kind mit geringem Selbstgefühl (egal wie aufgeblasen das Selbstvertrauen eines solchen Kindes in anderen Bereichen seines Lebens sein mag) wird jedoch viel dramatischer reagieren: “Ich tauge einfach zu gar nichts”! “Ich bin so dumm”! Sie erleben ihr ganzes Selbst als Fiasko.

Deshalb ist das Selbstgefühl in hohem Masse mit dem Wert verbunden und hat nichts damit zu tun, Kinder mit einem aufgeblasenen Ego zu erschaffen oder arrogante Kinder zu erziehen, die überheblich sind.

Vielmehr geht es um einen Sinn von Wert. Es hat mit dem entspannten Gefühl zu tun, “Ich bin in Ordnung, und wertvoll, ganz allein deshalb, weil ich bin”.

Dieses Gefühl von Wert in einem Kind zu fördern, ist eines der grössten Geschenke, die Sie Ihrem Kind machen können. Es ist unmöglich, zu viel Selbstgefühl in das Leben eines Kindes zu implementieren.

Folgende Fragen stellen sich daraus:

  • Wie können wir als Eltern das Selbstgefühl unseres Kindes fördern?
  • Wie können wir als Eltern das Erkennen ihres Wertes unterstützen?
  • Wie können wir das erreichen, ohne dass sie grossspurig werden?

In erster Linie fördern wir das Selbstgefühl unseres Kindes durch das, wer wir sind.

Als Eltern werden wir von unseren Kindern imitiert. Wenn wir ein gesundes Selbstgefühl haben, werden unsere Kinder höchstwahrscheinlich Kinder mit einem gesunden Selbstgefühl.

Die meisten von uns wissen instinktiv, dass wir weit davon entfernt sind, sagen zu können: “Ich weiss, wer ich bin” oder “Ich bin wertvoll, einfach weil ich existiere”.

Doch Eltern, die ihr schlafendes, neugeborenes Kind in den Armen halten, kennen wahrscheinlich dieses Gefühl von „Mein Kind ist wertvoll, einfach weil es existiert“.

Aber die gute Nachricht ist, dass wir als Eltern alle auf einer Reise sind. Und als Eltern können wir unsere Kinder auch auf diese Reise mitnehmen. Wir können sie in den Prozess des Wachsens in diesem Selbstgefühl einbeziehen. Das kann ein herausfordernder Weg sein, aber als christliche Eltern haben wir das Privileg, Zugang zu einer ultimativen Autorität, einer ultimativen Wahrheit zu haben: dem Wort Gottes.

Zusammen mit unseren Kindern können wir in diese Wahrheit eintreten, wer Gott sagt, dass wir in seinen Augen sind. Klicken Sie hier, um eine Sammlung von Bibelversen darüber zu finden, was Er über Sie zu sagen hat…. und über Ihre Kinder.

 

Seien Sie frei von dem Druck, ihre Kinder dazu zu bringen, ihren Wert und ihr Selbstgefühl einzig in Gott zu setzen. Wenn Kinder ihre Eltern beobachten und dabei sehen, wie sie selbst als Eltern auf ihrem Weg zur Verankerung ihrer Identität, die sie in Gott haben, sind, werden dies ihnen nachahmen und ihre Identität auch in Gott setzen. Das Wort Gottes funktioniert.
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Lassen Sie uns nun sehen, wie wir dieses Selbstgefühl ganz praktisch in das Leben eines Kindes implementieren können – ohne dies mit der Stärkung seines Selbstvertrauens zu verwechseln.

 Stellen Sie sich vor, Ihr Kleinkind klettert auf einen Baum. Dieses Kleinkind schreit: „Mami, schau!“

Unsere (oder zumindest meine) natürliche Tendenz ist es, mein Kind begeistert zu bestätigen. Also werden wir zurückschreien: “Wow, du bist so hoch geklettert, du bist so geschickt, fantastisch!”

Das Problem ist, dadurch verbinden wir den Wert unseres Kindes ununterbrochen mit “Leistung” und nicht mit “Sein”.
Aber wissen Sie was?

Ein Kind will gesehen werden. Nicht bewertet.

 Ein einfaches: “Hey, Schatz, ich sehe dich!” Und wenn Sie das Gesicht Ihres Kindes sehen und die Emotionen lesen können, könnten Sie hinzufügen: “Ich sehe, du hast Spass daran, da oben zu sein”! 

Oder stellen Sie sich vor, wie Ihr vierjähriges Kind zu Ihnen rennt, wenn Sie von der Arbeit nach Hause kommen.

Das Kind hat gezeichnet, während es auf Ihre Heimkehr gewartet hat.

Begeistert zeigt das Kind Ihnen seine Zeichnung.

Viele von uns (auch ich) werden sagen: „Wow, was für eine schöne Zeichnung, gute Arbeit! Du wirst immer besser, ich bin so stolz auf dich!“

Nun…. wir haben es wieder getan. Wir haben gerade die Zeichnung des Kindes bewertet. Aber das Kind ist nicht zu Ihnen gerannt, um eine Beurteilung dessen zu bekommen, was es getan hat. Es war seine Art, “Mami, du bist zurück!” Ich liebe dich!!!!” zu sagen.

Was können wir stattdessen tun? Nun, Verbindung schaffen. Wir können dem Kind sagen: “Ich habe dich auch vermisst, ich bin glücklich, wieder bei dir zu sein! Hey, du hast gezeichnet? Kannst du mir erklären, was du gezeichnet hast?” Oder so ähnlich.

Nehmen wir als Beispiel eine Begebenheit, die letzte Woche zwischen Benny und mir vorgefallen ist.

Er liebt es, gelegentlich Bier und Limonade zu mischen. In der Schweiz nennt man dies  “Panaché”. Er findet es köstlich, dies an heissen Sommertagen zu trinken.

Normalerweise ist er derjenige, der das Bier und die Limonade für sich selbst kauft.

Aber an diesem Tag war ich einkaufen und kaufte ihm diese beiden Komponenten, da ich sah, dass wir keines mehr hatten.

Am Abend, als er nach Hause kam,  mischte ich ihm ein Panaché und brachte es ihm.

Er war begeistert, er liebte es.

Er hätte hier auf zwei verschiedene Arten reagieren können:

  • „Oh, vielen Dank! Wo hast du es gekauft? Was ist die Marke des Bieres? Was für eine Limonade hast du gekauft? Wie viel Limonade hast du beigemischt? Mmmmh…. das hast du gut gemacht, das Panaché ist dir gut geraten, danke!“ (Er hätte somit meine Fähigkeit bewertet, ihm eine gutes Panaché zu mixen)
    Oder
  • „Oh, du hast gesehen, dass wir kein Bier und keine Limonade mehr im Haus haben und hast mir das gekauft! Danke für deine Liebe und Aufmerksamkeit! Du bist so ein Segen für mich!!!„ – mich dabei erfreut und liebend umarmend.

In diesen kleinen Dingen können wir lernen, eine ganz andere Botschaft zu vermitteln, basierend auf Beziehung, basierend auf Verbindung und darauf, wer der andere ist – und wie sehr wir unser Gegenüber schätzen.

Ich schliesse mit einer Geschichte, die ich im selben Kapitel des Buches gefunden habe:

John, ist achtunddreissig Jahre alt, früherer Landesmeister in einer populären Sportart – und Alkoholiker. Er ist jetzt wegen des Missbrauchs von Alkohol in Behandlung. Eines Tages schlägt ihm sein Berater vor, im Rahmen seiner Resozialisierung die Jugendlichen des Ortes in seiner alten Sportart zu trainieren.
Er lehnt die Idee ab, und als der Berater ein wenig tiefer gräbt, warum er dies nicht möchte, erklärt er:

“Als ich aufhörte, ein aktiver Sportler zu sein, wurde ich sehr enttäuscht. Ich entdeckte, dass alle diejenigen, die ich zu meinen Freunden gerechnet hatte, sich jetzt abwandten. (…) Ich entdeckte, dass die Leute nur mit mir zusammen waren, weil ich das konnte, was ich konnte, Nicht weil ich der bin, der ich bin (…)“

„Seine Eltern wie auch seine Lehrer hatten gesehen, dass es dem Jungen an Selbstvertrauen fehlte, und es gelang ihnen, ihn zu motivieren, Sport zu treiben. Schnell erwies es sich, dass er ein besonderes Talent hatte, und seine Eltern taten alles, um das zu unterstützen und zu entwickeln. Sie kamen zum Training, engagierten sich im Sportclub und verbrachten die meisten Wochenenden auf den Zuschauerplätzen. Sie freuten sich über ihn und mit ihm und waren für ihn glücklich, als er einen Profivertrag im Ausland erhielt (..)“ 

Seine Eltern übersahen etwas Wichtiges im Leben von John: Sein geringes Selbstgefühl. Wie die meisten anderen Kinder (und Erwachsenen) konnte John sein geringes Selbstgefühl nur als Unsicherheit im Verhältnis zu Handlungen ausdrücken. Als Kind hatte er oft Sachen gesagt, wie:  “Das kann ich nicht “, „Dazu bin ich nicht fähig”, „Das kann ich nicht herausfinden”, „Das ist zu schwer”.
Er konnte nicht sagen: “Ich denke, ich bin zu nichts gut!”
Als Sportler war John einzigartig (….) 

“Geringes Selbstgefühl manifestiert sich auf vielfältige Weise: als Leistungsangst, Prahlerei, Lebensangst, Selbstlosigkeit, Grenzenlosigkeit, Unterwerfung, Aufgeblasenheit, Schuldgefühl, Als Drogen-,Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch, Gewaltbereitschaft, Essstörungen und so weiter (…)

Als ich diese Geschichte las, gab ich Gott und mir selbst ein Versprechen.Ich möchte in meinem eigenen Selbstgefühl wachsen. Ich möchte bewusst auf dieser Reise sein, um in meine Identität zu wachsen. Meine ultimative Wahrheit, meine ultimative Autorität ist das Wort Gottes. Deshalb werde ich mich weiter damit beschäftigen, um zu verstehen, wer ich bin, wozu ich berufen bin.
Ich möchte auf dieser Reise wachsen, um meinen Kindern ein gesundes Selbstgefühl vermitteln zu können. Ein fester Boden für sie, um sicher im Leben zu stehen. Egal, was aus unseren Kindern wird. Sie können berühmt werden oder auch nicht. Sie können für das, was sie tun werden, international anerkannt sein oder auch nicht.
Unsere Aufgabe als Eltern ist es, sie wirklich zu sehen, sie wertzuschätzen und zu lernen, wie man ihren Wert und ihre Bedeutung bis tief in ihr Inneres hinein pflanzen kann. 
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